Warum hinterlassen manche Händedesinfektionsgele einen unangenehmen, klebrigen Film auf der Haut?
Das klebrige Gefühl nach der Benutzung von Händedesinfektionsgel ist ein verbreitetes Phänomen. Es liegt meist nicht am Alkohol selbst (der rückstandslos verdampft), sondern an den Zusatzstoffen, die dem Gel beigemischt werden.
Hier sind die Hauptgründe für den klebrigen Film:
1. Verdickungsmittel (Geliermittel)
Reiner Alkohol ist flüssig wie Wasser. Um daraus ein Gel zu machen, werden Verdickungsmittel hinzugefügt, meist Carbomere (Polyacrylsäure) oder Zellulosederivate.
- Der Effekt: Wenn der Alkohol verdampft, bleiben diese Polymere auf der Haut zurück. Wenn die Konzentration dieser Stoffe zu hoch ist oder sie von minderwertiger Qualität sind, bilden sie einen spürbaren, oft klebrigen Film.
2. Rückfetter und Feuchthaltemittel (Glycerin)
Da Alkohol die Haut stark austrocknet, fügen Hersteller pflegende Substanzen hinzu. Die am häufigsten verwendete Substanz ist Glycerin.
- Der Effekt: Glycerin ist ein Zuckeralkohol, der Feuchtigkeit bindet. Es ist von Natur aus klebrig. Wenn ein Produkt einen sehr hohen Anteil an Glycerin enthält (um die Haut besonders zu "schützen"), bleibt nach dem Verdunsten des Alkohols eine klebrige Schicht zurück. Auch Aloe Vera-Zusätze können diesen Effekt verstärken.
3. Zu große Menge oder mangelndes Verreiben
Viele Menschen nutzen mehr Gel, als die Haut aufnehmen kann, oder sie verreiben es nicht lange genug.
- Der Effekt: Wenn das Gel nicht vollständig in die oberste Hautschicht eingearbeitet wird, "stapeln" sich die Verdickungsmittel und Pflegestoffe an der Oberfläche. Das Ergebnis ist ein schmieriges Gefühl.
4. Interaktion mit Schmutz oder Schweiß
Desinfektionsgel ist kein Ersatz für das Händewaschen. Es tötet Keime ab, entfernt aber keinen Dreck.
- Der Effekt: Wenn sich das Gel mit altem Schweiß, Hautfetten oder oberflächlichem Schmutz vermischt, entsteht eine Art Emulsion, die sich unangenehm und klebrig anfühlt.
5. Qualität der Formulierung
Es gibt große Unterschiede in der Rezeptur ("Galenik"). Hochwertige (oft teurere) Produkte aus der Apotheke oder dem medizinischen Fachhandel sind so optimiert, dass die Inhaltsstoffe schnell einziehen und die Polymere nicht verklumpen. Günstige Produkte verwenden oft einfachere Rezepturen mit klebrigeren Bindemitteln.
Was kann man dagegen tun?
- Weniger ist mehr: Nur eine etwa euromünzengroße Menge nehmen und diese mindestens 30 Sekunden lang gründlich verreiben, bis die Hände komplett trocken sind.
- Flüssige Desinfektionsmittel nutzen: Wenn Sie das klebrige Gefühl hassen, steigen Sie auf flüssige Händedesinfektionsmittel (ohne Gel-Zusatz) um. Diese verdampfen rückstandslos.
- Hände waschen: Wenn sich nach mehrmaligem Desinfizieren ein Film aufgebaut hat, hilft nur Händewaschen mit Seife, um die Schichten aus Glycerin und Polymeren abzutragen.
- Produkt wechseln: Achten Sie auf Produkte, die als "schnell einziehend" oder "rückfettend ohne zu kleben" deklariert sind.