Warum haftet neuer Fugenmörtel oft nicht auf den Resten von altem Mörtel?
Dass neuer Fugenmörtel auf altem Material oft schlecht hält, hat mehrere physikalische und chemische Gründe. Hier sind die wichtigsten Ursachen zusammengefasst:
1. Mangelnde mechanische Verzahnung
Fugenmörtel ist ein mineralisches Produkt, das sich mechanisch in den Poren des Untergrunds verankern muss.
- Das Problem: Altes Fugenmaterial hat oft eine sehr dichte, glatte Oberfläche (besonders wenn es über Jahre durch Wasser und Reinigungsmittel "poliert" wurde).
- Die Folge: Der neue Mörtel findet keine "Krallen", um sich festzuhalten. Er liegt nur lose oben auf und platzt bei der kleinsten Belastung oder Temperaturschwankung wieder ab.
2. Verschmutzungen und Trennschichten
In Badezimmern oder Küchen lagern sich über Jahre Substanzen auf und in den Fugen ab, die wie ein Trennmittel wirken:
- Fette und Seifenreste: Diese dringen tief in die Poren des alten Mörtels ein.
- Kalkablagerungen: Sie bilden eine harte Schicht, die keine Verbindung mit neuem Zementmörtel eingeht.
- Reinigungsmittelrückstände: Viele moderne Badreiniger enthalten Silikone oder wasserabweisende Stoffe, die eine Haftung unmöglich machen.
3. Das "Aufbrennen" (Wasserentzug)
Dies ist einer der häufigsten Fehler bei der Sanierung:
- Das Problem: Alter Fugenmörtel ist extrem trocken und saugfähig. Wenn man frischen, feuchten Mörtel dünn darüberstreicht, saugt der alte Mörtel das Wasser aus dem neuen Material heraus, bevor dieses chemisch abbinden kann.
- Die Folge: Dem neuen Mörtel fehlt das Wasser für die Kristallisation. Er wird "mehlig", erreicht nie seine Endfestigkeit und bröckelt sofort wieder heraus.
4. Zu geringe Schichtdicke
Mineralische Fugenmörtel benötigen eine gewisse Mindestmasse, um stabil zu sein.
- Das Problem: Wenn man nur eine hauchdünne Schicht über die alte Fuge "drüberwischt", ist diese Schicht viel zu instabil.
- Die Folge: Durch Spannungen (z. B. durch Wärmeausdehnung der Fliesen) entstehen Mikrorisse, und die dünne Schicht blättert ab.
5. Karbonatisierung
Zementgebundene Fugen verändern sich chemisch im Laufe der Jahrzehnte. Durch den Kontakt mit CO2 aus der Luft versauert die Oberfläche des alten Mörtels leicht (Karbonatisierung). Frischer, alkalischer Zementmörtel haftet auf dieser bereits chemisch umgewandelten Schicht deutlich schlechter als auf frischem Beton oder Stein.
Wie macht man es richtig?
Damit die neue Fuge hält, müssen Sie die Voraussetzungen für eine gute Haftung schaffen:
- Tief auskratzen: Die alte Fuge sollte mindestens 2/3 der Fliesendicke tief entfernt werden (z. B. mit einem Fugenkratzer oder einem Multifunktionswerkzeug). Nur so hat der neue Mörtel genug Volumen und Flankenhaftung an der Fliese selbst.
- Gründlich reinigen: Staub und lose Reste müssen mit dem Staubsauger entfernt werden.
- Vornässen oder Grundieren: Entweder die Fuge leicht anfeuchten (um das "Aufbrennen" zu verhindern) oder – noch besser – eine spezielle Haftgrundierung für saugende Untergründe verwenden.
- Qualität des Mörtels: Verwenden Sie kunststoffvergütete Fugenmörtel (sogenannte Flexfugen), da diese eine höhere Eigenhaftung besitzen als reiner Zementmörtel.