Warum gilt das Papiertaschentuch aus hygienischer Sicht bei Erkältungskrankheiten als sicherer im Vergleich zum klassischen Stofftaschentuch?
Aus hygienischer Sicht wird das Papiertaschentuch gegenüber dem Stofftaschentuch vor allem deshalb bevorzugt, weil es das Risiko von Schmierinfektionen und die Weiterverbreitung von Krankheitserregern deutlich minimiert.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Einmalgebrauch vs. Mehrfachbenutzung
Der entscheidende Vorteil des Papiertaschentuchs ist das Prinzip „Benutzen und Wegwerfen“.
- Papier: Nach dem Schneuzen wird das Tuch samt den darin enthaltenen Viren oder Bakterien sofort entsorgt. Die Erreger werden aus dem Umfeld entfernt.
- Stoff: Ein Stofftaschentuch wird meist mehrfach benutzt. Bei jedem erneuten Herausholen und Auffalten berührt man die bereits kontaminierten Stellen. Dadurch gelangen die Erreger immer wieder an die Hände und von dort auf Türklinken, Tastaturen oder andere Menschen.
2. Lagerung und Keimwachstum
- Stoff: Ein benutztes Stofftaschentuch wird meist in der Hosen- oder Jackentasche aufbewahrt. Dort ist es dunkel, warm und durch das Nasensekret feucht – ideale Bedingungen für das Überleben und teilweise auch die Vermehrung von Bakterien. Zudem wird das Innenfutter der Tasche kontaminiert.
- Papier: Da es sofort im Abfall landet, entfällt diese „Brutstätte“ in der Kleidung.
3. Durchfeuchtung und Barrierefunktion
Moderne Papiertaschentücher sind oft so konzipiert, dass sie extrem saugfähig und reißfest sind (oft mehrlagig).
- Bei Stofftaschentüchern kann das Sekret bei starkem Schnupfen schneller durch das Gewebe auf die Finger dringen.
- Papiertaschentücher bieten durch ihre Beschaffenheit oft eine bessere Barriere, die die Hände beim Schneuzen trockener hält.
4. Reinigung und thermische Desinfektion
Damit ein Stofftaschentuch nach der Benutzung wieder hygienisch rein wird, muss es bei mindestens 60 °C, besser 90 °C gewaschen werden.
- In der modernen Hauswirtschaft werden viele Textilien nur noch bei 30 oder 40 °C gewaschen, was für die Abtötung hartnäckiger Keime oft nicht ausreicht.
- Das Papiertaschentuch ist als Industrieprodukt bei der Entnahme aus der Packung praktisch keimfrei.
5. Das Risiko der „Selbst-Reinfektion“
Obwohl man sich technisch gesehen nicht an den eigenen Viren neu infiziert (da das Immunsystem gerade gegen diese Erreger kämpft), können sich auf einem feuchten Stofftaschentuch Sekundärerreger (wie Bakterien) ansiedeln. Werden diese beim nächsten Wischen wieder an die bereits gereizte Nasenschleimhaut gebracht, kann dies eine bakterielle Superinfektion (z. B. eine Nebenhöhlenentzündung) begünstigen.
Fazit und Empfehlung
Aus rein hygienischer Sicht ist das Papiertaschentuch der klare Sieger, da es die Infektionskette unterbricht.
Umwelthinweis: Wer aus ökologischen Gründen nicht auf Stoff verzichten möchte, sollte während einer akuten Infektion:
- Das Stofftaschentuch nur einmal benutzen und dann direkt in die Wäsche geben (wie eine Einweglösung).
- Es bei 60–90 °C waschen.
- Sich nach jeder Benutzung konsequent die Hände waschen.
In der Praxis ist das Papiertaschentuch jedoch die sicherere und einfachere Methode, um Mitmenschen und die eigene Umgebung während einer Erkältungswelle zu schützen.