Was macht den Nationalpark Picos de Europa im Hinblick auf seine Gründung im Jahr 1918 im Vergleich zu anderen Nationalparks in Spanien so besonders?
Der Nationalpark Picos de Europa nimmt in der Geschichte des Naturschutzes in Spanien eine absolute Sonderstellung ein. Was ihn im Hinblick auf seine Gründung im Jahr 1918 im Vergleich zu anderen Parks so besonders macht, lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
1. Er war der allererste Nationalpark Spaniens
Am 22. Juli 1918 wurde das Gebiet unter dem Namen „Parque Nacional de la Montaña de Covadonga“ offiziell zum Nationalpark erklärt. Damit ist er der älteste Nationalpark des Landes. Nur wenige Wochen später folgte der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido in den Pyrenäen. Spanien war damit eines der ersten Länder weltweit, das dem Beispiel der USA (Yellowstone, 1872) folgte und ein gesetzliches Schutzsystem für Naturräume schuf.
2. Die Verbindung von Natur und nationaler Identität
Im Gegensatz zu vielen modernen Nationalparks, die primär aus ökologischen Gründen gegründet werden, spielte 1918 eine starke historisch-symbolische Komponente eine Rolle.
- Das Herzstück des ursprünglichen Parks war die Region um Covadonga.
- Dieser Ort gilt als Wiege der spanischen Reconquista (die Schlacht von Covadonga im Jahr 722).
- Die Gründung sollte also nicht nur die wilde Hochgebirgslandschaft schützen, sondern auch ein nationales Heiligtum und die „Geburtsstätte“ der spanischen Nation ehren.
3. Die Rolle von Pedro Pidal
Der Park wäre ohne die Vision von Pedro Pidal, dem Markgrafen von Villaviciosa, nicht entstanden. Pidal war ein leidenschaftlicher Bergsteiger (ihm gelang 1904 die Erstbesteigung des Naranjo de Bulnes) und Politiker. Er trieb das spanische Nationalparkgesetz von 1916 voran. Sein persönlicher Einsatz machte die Picos de Europa zum Pilotprojekt für den Naturschutz in Spanien.
4. Pionierrolle in der Gesetzgebung
Mit der Gründung der Picos de Europa (bzw. Covadonga) setzte Spanien das Nationalparkgesetz von 1916 erstmals in die Praxis um. Dieses Gesetz war für seine Zeit revolutionär, da es den Schutz der Landschaft über die wirtschaftliche Ausbeutung stellte – ein Konzept, das in einem damals noch stark agrarisch geprägten Land wie Spanien alles andere als selbstverständlich war.
5. Evolution und Erweiterung
Ein weiteres besonderes Merkmal ist die Entwicklung des Parks:
- 1918 begann er als vergleichsweise kleines Schutzgebiet (ca. 17.000 Hektar) im westlichen Massiv (Massiv von Cornión).
- Erst im Jahr 1995 wurde er massiv erweitert und in „Nationalpark Picos de Europa“ umbenannt. Er umfasst heute über 67.000 Hektar und erstreckt sich über drei autonome Gemeinschaften (Asturien, Kantabrien und Kastilien-León).
- Diese Erweiterung machte ihn zu einem der größten geschlossenen Kalksteingebirge der Welt und zu einem der meistbesuchten Nationalparks Spaniens.
Fazit
Das Besondere an der Gründung 1918 ist die Pionierleistung: Die Picos de Europa waren das „Versuchslabor“ für den spanischen Naturschutz. Sie vereinten erstmals den Schutz einer spektakulären Hochgebirgslandschaft mit kultureller und religiöser Symbolik und legten den Grundstein für das heutige System von 16 Nationalparks in Spanien.