Warum führt der Zigarrenrauch oft zu einer extremen Geruchsbelästigung in geschlossenen Räumen?
Dass Zigarrenrauch als deutlich intensiver und oft auch belastender empfunden wird als beispielsweise Zigarettenrauch, hat physikalische, chemische und herstellungstechnische Gründe.
Hier sind die Hauptfaktoren, die zur extremen Geruchsentwicklung in geschlossenen Räumen führen:
1. Die schiere Tabakmenge
Eine durchschnittliche Zigarre enthält etwa so viel Tabak wie eine ganze Packung Zigaretten (bis zu 20 Gramm). Dementsprechend wird beim Rauchen einer einzigen Zigarre über einen Zeitraum von 30 bis 90 Minuten eine massive Menge an Rauchpartikeln und Gasen freigesetzt. Die Konzentration der Geruchsstoffe im Raum ist schlichtweg um ein Vielfaches höher.
2. Die Art des Tabaks und die Fermentation
Zigarrentabak unterscheidet sich grundlegend von Zigarettentabak:
- Fermentation: Zigarrentabak wird über lange Zeit fermentiert. Dabei werden Proteine abgebaut und komplexe aromatische Verbindungen sowie Ammoniak freigesetzt. Diese Stoffe verleihen der Zigarre zwar ihren edlen Geschmack, sorgen aber bei der Verbrennung für eine sehr schwere, dichte Geruchssignatur.
- Keine Filter: Da Zigarren in der Regel ohne Filter geraucht werden, gelangen alle Verbrennungsprodukte ungefiltert in die Umgebungsluft.
3. Unvollständige Verbrennung (Niedrige Temperatur)
Zigarren brennen bei einer deutlich niedrigeren Temperatur als Zigaretten (die durch Abbrennhilfen im Papier oft schneller und heißer verbrennen). Eine kühlere Verbrennung führt zu einer unvollständigeren Verbrennung. Dabei entstehen schwerere, komplexere organische Moleküle und mehr Teeröle. Diese schweren Partikel bleiben länger in der Luft hängen, anstatt nach oben wegzuziehen.
4. Die "Klebrigkeit" (Aerosole und Öle)
Der Rauch einer Zigarre ist reich an ätherischen Ölen, Harzen und Teer. Diese Stoffe sind extrem haftfähig. In einem geschlossenen Raum setzen sie sich als feiner, klebriger Film auf allen Oberflächen ab:
- Textilien: Vorhänge, Teppiche und Polstermöbel wirken wie Schwämme für diese Öle.
- Wände und Oberflächen: Selbst auf glatten Oberflächen bildet sich ein Belag, der den Geruch über Tage oder Wochen hinweg nach und nach wieder abgibt.
5. Der chemische Charakter: Alkalisch vs. Sauer
Zigarettenrauch ist eher sauer, während Zigarrenrauch alkalisch ist. Unsere Schleimhäute reagieren oft empfindlicher auf alkalischen Rauch. Zudem bindet sich alkalischer Rauch anders an Oberflächen und lässt sich schwieriger durch einfaches Lüften entfernen, da die Moleküle stabiler sind.
6. Das Problem des "kalten Rauchs"
Wenn der Rauch abkühlt, oxidieren die enthaltenen organischen Verbindungen. Durch die hohe Konzentration an Stickstoffverbindungen und Schwefel im Zigarrentabak entstehen beim Erkalten Abbauprodukte, die oft als stechend, ranzig oder "muffig" wahrgenommen werden. Da bei einer Zigarre so viel Material verbrannt wurde, ist die Menge dieser "Abfallstoffe" in der Luft entsprechend groß.
Zusammenfassung
Zigarrenrauch ist so hartnäckig, weil er mengenmäßig mehr, chemisch komplexer und physikalisch schwerer ist als der Rauch anderer Tabakprodukte. Er besteht aus öligen Partikeln, die nicht einfach verfliegen, sondern sich permanent an die Umgebung binden und dort langsam oxidieren.