Ist unbehandeltes Sperrholz resistent gegen Schimmelbefall in feuchten Räumen?
Die kurze Antwort lautet: Nein, unbehandeltes Sperrholz ist absolut nicht resistent gegen Schimmel.
Im Gegenteil: In feuchten Räumen ist unbehandeltes Sperrholz sogar sehr anfällig für Schimmelbefall und strukturelle Schäden.
Hier sind die Gründe im Detail:
1. Organisches Material (Nährboden)
Holz besteht aus Zellulose und anderen organischen Verbindungen. Schimmelpilze benötigen organische Substanz als Nahrung. Unbehandeltes Sperrholz bietet Schimmelsporen eine ideale Oberfläche, um sich festzusetzen und zu wachsen, sobald Feuchtigkeit hinzukommt.
2. Hygroskopische Eigenschaften
Unbehandeltes Holz ist "hygroskopisch", das heißt, es zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft an und speichert sie. In Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit (Bad, Keller, Waschküche) steigt die Holzfeuchte schnell über den kritischen Wert von etwa 20 %, ab dem Schimmelwachstum begünstigt wird.
3. Kapillarwirkung der Schichten
Sperrholz besteht aus mehreren miteinander verleimten Holzschichten. Die Schnittkanten sind besonders problematisch, da dort die Holzfasern offenliegen. Diese wirken wie kleine Strohhalme (Kapillareffekt) und saugen Feuchtigkeit tief ins Innere der Platte.
4. Der Klebstoff-Faktor
- Normales Sperrholz (IF 20): Der verwendete Leim ist meist nicht wasserfest. Bei Feuchtigkeit löst sich die Verleimung auf (Delaminierung), und das Holz quillt auf.
- Wasserfest verleimtes Sperrholz (AW 100 oder BFU 100): Hier hält zwar der Kleber der Feuchtigkeit stand, aber das Holz selbst kann trotzdem schimmeln und verrotten, wenn es nicht oberflächlich geschützt wird.
Was passiert in feuchten Räumen?
Wenn Sie unbehandeltes Sperrholz im Bad oder Keller verwenden, wird folgendes passieren:
- Verfärbung: Es bilden sich dunkle Flecken (Stockflecken oder Schimmel).
- Geruch: Es entsteht ein modriger, muffiger Geruch.
- Verformung: Die Platte verzieht sich ("schüsselt") oder quillt auf.
- Gesundheitsrisiko: Schimmelsporen in der Raumluft können Atemwegserkrankungen und Allergien auslösen.
Empfehlungen für feuchte Räume
Wenn Sie Holz oder Holzwerkstoffe in feuchten Bereichen verwenden möchten, sollten Sie:
- Siebdruckplatten: Diese sind bereits mit einer Phenolharzschicht filmbeschichtet und wesentlich resistenter (Schnittkanten müssen aber versiegelt werden).
- Oberflächenbehandlung: Das Sperrholz muss mindestens grundiert und mit einem wasserabweisenden Lack, Öl oder einer speziellen Holzschutzlasur für Feuchträume versiegelt werden (alle Seiten und Kanten!).
- Harthölzer: Bestimmte Holzarten (z. B. Eiche oder Teak) sind natürlicherweise resistenter gegen Feuchtigkeit als gängiges Sperrholz aus Birke oder Pappel.
- Alternative Materialien: In extrem feuchten Bereichen (Dusche etc.) sind Zementbauplatten oder spezielle "grüne" Gipskartonplatten die bessere Wahl.
Fazit: Für den Einsatz in feuchten Räumen muss Sperrholz zwingend wasserfest verleimt sein (z. B. Multiplex AW 100) UND oberflächlich umfassend versiegelt werden. Unbehandelt wird es innerhalb kurzer Zeit schimmeln.