Warum führen manche Whitening-Zahnpasten zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit der Zähne?
Dass Whitening-Zahnpasten zu empfindlichen Zähnen (Schmerzempfindlichkeit gegenüber heiß, kalt, süß oder sauer) führen können, liegt meist an zwei Hauptfaktoren: der mechanischen Abnutzung und chemischen Prozessen.
Hier sind die genauen Gründe im Detail:
1. Zu hohe Abrasivität (Der „Schmirgelpapier-Effekt“)
Die meisten frei verkäuflichen Whitening-Zahnpasten enthalten winzige Putzkörper (Abrasivstoffe wie Silikate oder Marmorpulver). Diese funktionieren wie ein sanftes Scheuermittel, um oberflächliche Verfärbungen (von Kaffee, Tee oder Nikotin) wegzurubbeln.
- Das Problem: Wenn die Zahnpasta zu grob ist (ein hoher RDA-Wert, meist über 100), wird nicht nur der Belag, sondern mit der Zeit auch der schützende Zahnschmelz abgetragen.
- Die Folge: Der Zahnschmelz wird dünner. Darunter liegt das Dentin (Zahnbein), das von winzigen Kanälen (Dentinkanälchen) durchzogen ist. Diese Kanäle leiten Reize direkt an den Zahnnerv weiter. Je dünner der Schmelz, desto schneller spürt man Schmerz.
2. Chemische Inhaltsstoffe
Einige Whitening-Produkte nutzen chemische Stoffe, um Verfärbungen zu lösen oder den Zahn künstlich aufzuhellen.
- Peroxide: In Deutschland sind die Konzentrationen in Zahnpasta zwar sehr gering, aber in manchen Produkten (oder bei Bleaching-Gels) dringen Peroxide in den Zahn ein, um Farbpigmente aufzuspalten. Dabei kann der Zahnnerv vorübergehend irritiert werden.
- Säuren oder Phosphate: Manche Pasten nutzen chemische Wirkstoffe, um Zahnstein und Beläge zu lösen. Diese können die Zahnoberfläche leicht „aufrauen“ oder demineralisieren, was die Nervenenden anfälliger für Reize macht.
3. Freiliegende Zahnhälse
Viele Menschen haben (oft unbemerkt) leicht zurückgewichenes Zahnfleisch. An den Zahnhälsen gibt es keinen schützenden Zahnschmelz, dort liegt das empfindliche Dentin direkt frei.
- Wenn eine Whitening-Zahnpasta an diese Stellen gelangt, reizen die Schleifmittel oder Chemikalien die offenen Dentinkanälchen sofort, was zu stechenden Schmerzen führt.
4. Entzug von Feuchtigkeit
Einige Bleaching-Verfahren entziehen dem Zahn vorübergehend Wasser. Ein dehydrierter Zahn ist deutlich empfindlicher gegenüber Temperaturunterschieden.
Was kann man dagegen tun?
- RDA-Wert prüfen: Achten Sie beim Kauf auf den RDA-Wert (Relative Dentin Abrasion). Ein Wert unter 70 gilt als zahnschonend. Viele Whitening-Pasten haben Werte von 100 oder deutlich mehr.
- Wechseln: Benutzen Sie Whitening-Zahnpasta nicht täglich, sondern im Wechsel mit einer fluoridhaltigen Sensitiv-Zahnpasta, die den Schmelz remineralisiert.
- Fluoridierung: Verwenden Sie nach dem Putzen ein Fluorid-Gel (einmal pro Woche), um den Zahnschmelz zu härten und die offenen Kanälchen zu verschließen.
- Sanfte Technik: Drücken Sie beim Putzen nicht zu fest auf. Eine elektrische Zahnpasta mit Andruckkontrolle kann helfen.
- Professionelle Zahnreinigung (PZR): Oft ist eine PZR beim Zahnarzt effektiver und schonender als Whitening-Zahnpasta, da Verfärbungen professionell entfernt werden, ohne den Schmelz unnötig anzugreifen.
Fazit: Der Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, dass die Schutzschicht des Zahns angegriffen wird oder Reize zu ungefiltert an den Nerv gelangen. Wenn die Schmerzen anhalten, sollte man das Produkt sofort absetzen.