Warum ersetzt die Desinfektion bei sichtbaren Verschmutzungen nicht das Händewaschen?

Melden

Dass die Desinfektion das Händewaschen bei sichtbarer Verschmutzung nicht ersetzen kann, hat mehrere wichtige medizinische und chemische Gründe. Hier sind die wichtigsten Faktoren einfach erklärt:

1. Der Barriere-Effekt (Schutzschild für Keime)

Sichtbarer Schmutz – egal ob Erde, Fett, Blut oder Speisereste – wirkt wie ein physikalischer Schutzschild für Mikroorganismen. Die Krankheitserreger (Bakterien, Viren) befinden sich oft innerhalb oder unterhalb der Schmutzschicht. Das Desinfektionsmittel erreicht die Keime in den tieferen Schichten nicht, weil es nicht durch die festen Partikel oder Fettschichten dringen kann. Die Keime überleben also einfach unter dem Dreck.

2. Der „Eiweißfehler“

Viele Desinfektionsmittel (insbesondere Alkohole) reagieren chemisch mit organischem Material wie Blut, Eiter oder Eiweißresten. Wenn das Desinfektionsmittel auf solche Verschmutzungen trifft, wird es durch die chemische Reaktion mit dem organischen Material „verbraucht“ oder inaktiviert. Es steht dann nicht mehr in ausreichender Konzentration zur Verfügung, um die eigentlichen Krankheitserreger abzutöten.

3. Fehlende mechanische Reinigung

Händewaschen wirkt primär mechanisch. Durch die Kombination aus Wasser, Seife und Reibung werden Schmutzpartikel und Mikroorganismen von der Haut gelöst und buchstäblich in den Abfluss gespült. Eine Händedesinfektion hingegen lässt alles, was sich auf der Hand befindet, dort auch zurück. Man würde den Schmutz und die darin enthaltenen Keime lediglich auf der Haut „fixieren“ oder verteilen.

4. Resistenz bestimmter Erreger (z. B. Sporen)

Einige Erreger, wie zum Beispiel die Sporen des Bakteriums Clostridioides difficile (verursacht schwere Durchfälle) oder bestimmte unbehüllte Viren (wie Noroviren), sind gegen herkömmliche alkoholische Desinfektionsmittel sehr resistent. Diese Erreger lassen sich durch Desinfektion kaum abtöten, können aber durch gründliches Händewaschen mechanisch von der Haut entfernt werden.

5. Hautpflege und Wirksamkeit

Auf schmutziger Haut kann das Desinfektionsmittel keinen gleichmäßigen Film bilden. Damit eine Desinfektion wirkt, muss die Haut jedoch für die angegebene Einwirkzeit (meist 30 Sekunden) komplett benetzt sein. Fett und Schmutz verhindern, dass das Mittel die Hautporen und Hautfalten erreicht.


Fazit (Die Faustregel):

  • Sichtbarer Schmutz: Erst gründlich waschen und abtrocknen, dann (falls nötig) desinfizieren.
  • Saubere Hände (im Alltag/Klinik): Hier ist die Desinfektion oft effektiver und hautschonender als ständiges Waschen, da sie die natürlichen Hautfette weniger stark auswäscht als Seife.