Warum enthalten viele Tiefkühlpizzen versteckten Zucker in der Tomatensauce?
Dass in einem herzhaften Produkt wie Tiefkühlpizza Zucker enthalten ist, erscheint auf den ersten Blick paradox. Es gibt jedoch mehrere kulinarische, technologische und wirtschaftliche Gründe, warum Hersteller Zucker in die Tomatensauce mischen:
1. Ausgleich der Säure (Geschmacksbalance)
Tomaten enthalten von Natur aus Fruchtsäure. Je nach Reifegrad und Sorte kann diese Säure sehr dominant sein. In der Küche (auch bei der hausgemachten Sauce) ist es ein klassischer Trick, eine Prise Zucker hinzuzufügen, um die Säure der Tomaten abzurunden und den Geschmack harmonischer zu machen. Die Industrie nutzt diesen Effekt im großen Stil.
2. Kompensation minderwertiger Rohstoffe
Vollreife, sonnenverwöhnte Tomaten haben eine natürliche Süße. Da für die industrielle Produktion von Tiefkühlkost jedoch oft Tomaten verwendet werden, die auf Effizienz und Haltbarkeit statt auf maximales Aroma gezüchtet wurden, fehlt ihnen diese natürliche Süße. Zucker ist ein sehr günstiger Weg, um fehlendes Aroma zu kaschieren und den Geschmack "aufzuwerten".
3. Der „Bliss Point“ (Glückspunkt)
Die Lebensmittelindustrie arbeitet gezielt mit dem sogenannten „Bliss Point“. Das ist das exakte Mischverhältnis von Zucker, Salz und Fett, bei dem unser Gehirn ein maximales Belohnungssignal aussendet. Zucker in der Sauce sorgt in Kombination mit dem Fett des Käses und dem Salz im Teig dafür, dass uns die Pizza besonders gut schmeckt und wir ein Verlangen nach mehr haben.
4. Geschmacksträger und Konservierung
Zucker verstärkt andere Aromen, wie zum Beispiel die der verwendeten Kräuter (Oregano, Basilikum). Zudem bindet Zucker Wasser. In der Tiefkühlkette hilft das, die Konsistenz der Sauce beim Einfrieren und späteren Aufbacken stabil zu halten, damit sie nicht zu wässrig wird oder den Teig zu stark durchweicht.
5. Bräunung und Textur (Maillard-Reaktion)
Beim Backen im Ofen karamellisiert der Zucker in der Sauce leicht. Dies trägt zur appetitlichen Farbe der Sauce bei und unterstützt die Krustenbildung am Rand, wo die Sauce auf den Teig trifft.
Wie erkennt man den Zucker?
Da Zucker ein billiger Füllstoff ist, verstecken ihn Hersteller oft hinter verschiedenen Namen in der Zutatenliste, wie zum Beispiel:
- Dextrose
- Glukose-Fruktose-Sirup
- Invertzuckersirup
- Maltodextrin
Fazit: Der Zucker dient primär als billiger Geschmacksoptimierer, um ein industrielles Massenprodukt für den Massengeschmack attraktiv zu machen. Wer den Zucker vermeiden möchte, sollte einen Blick auf die Nährwerttabelle werfen (Kohlenhydrate – davon Zucker) oder die Sauce für eine frische Pizza selbst aus passierten Tomaten, Salz und Kräutern herstellen.