Verursacht das Abreißen von verklebter Verbandwatte Schmerzen und Gewebeschäden?

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Ja, das gewaltsame Abreißen von verklebter Verbandwatte verursacht fast immer Schmerzen und führt in der Regel zu Gewebeschäden.

Hier ist die Erklärung, warum das so ist und wie man es besser macht:

1. Warum entstehen Schmerzen?

Wunden sondern Wundflüssigkeit (Exsudat) ab. Wenn diese Flüssigkeit trocknet, verklebt sie die Fasern der Watte mit der Wunde und dem Wundrand. Da in einer Wunde Nervenenden freiliegen, reizt jeder Zug an der Watte diese Nerven direkt, was als stechender oder brennender Schmerz empfunden wird.

2. Warum kommt es zu Gewebeschäden?

Wenn eine Wunde heilt, bildet der Körper neues, sehr empfindliches Gewebe (sogenanntes Granulationsgewebe) und neue Hautzellen (Epithelzellen).

  • Einwachsen: Die feinen Fasern der Watte fungieren wie ein Gerüst, in das die neuen Zellen hineinwachsen.
  • Abreißen: Wenn man die Watte trocken abzieht, reißt man diese frisch gebildeten Zellen und die jungen Blutgefäße buchstäblich wieder heraus.
  • Folge: Die Wunde beginnt erneut zu bluten, die Heilung wird verzögert, und das Risiko für Narbenbildung steigt. Zudem können Wattefasern in der Wunde zurückbleiben, was Entzündungen begünstigen kann.

Was sollte man stattdessen tun? (Erste Hilfe bei verklebter Watte)

Falls die Watte bereits festklebt, sollten Sie sie niemals trocken abreißen. Gehen Sie stattdessen so vor:

  1. Einweichen: Tränken Sie die verklebte Stelle großzügig mit physiologischer Kochsalzlösung (0,9 % NaCl) oder einer speziellen Wundspüllösung. Wenn beides nicht zur Hand ist, kann im Notfall auch abgekochtes, abgekühltes Wasser oder sauberes Leitungswasser verwendet werden.
  2. Geduld: Lassen Sie die Flüssigkeit einige Minuten einwirken, bis sich die Verklebungen aufweichen und die Watte sich fast von selbst löst.
  3. Vorsichtiges Ablösen: Lösen Sie die Watte ganz langsam und flach zur Seite hin ab, nicht steil nach oben.

Wie man es in Zukunft vermeidet

Watte ist als direkte Wundauflage für offene oder nässende Wunden nicht geeignet.

  • Verwenden Sie stattdessen: Nicht verklebende Kompressen (z. B. mit einer Aluminium-Beschichtung oder Salbenkompressen) oder moderne Wundauflagen aus Hydrogel oder Schaumstoff.
  • Watte nur als Polster: Watte sollte nur über einer eigentlichen Wundauflage zur Polsterung dienen, niemals direkten Kontakt mit der Wundfläche haben.

Hinweis: Wenn die Wunde Anzeichen einer Infektion zeigt (starke Rötung, Pochen, Eiter, Fieber) oder sehr tief ist, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.