Verhindert die regelmäßige Nutzung von Sonnencreme die Bildung von Vitamin D?

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Die kurze Antwort lautet: Theoretisch ja, in der Praxis meistens nein.

Hier ist die detaillierte Erklärung, warum das so ist und was die Wissenschaft dazu sagt:

1. Die Theorie: Wie Vitamin D entsteht

Vitamin D wird in der Haut gebildet, wenn UVB-Strahlen auf das 7-Dehydrocholesterol in den Hautzellen treffen. Da Sonnencreme genau diese UVB-Strahlen blockiert (um Sonnenbrand und Hautkrebs zu verhindern), müsste sie logischerweise auch die Vitamin-D-Produktion stoppen. Ein Lichtschutzfaktor (LSF) von 30 blockiert bereits etwa 97 % der UVB-Strahlen.

2. Die Praxis: Warum es meist trotzdem reicht

In klinischen Studien und im Alltag zeigt sich ein anderes Bild. Die meisten Menschen, die regelmäßig Sonnencreme nutzen, weisen keinen Vitamin-D-Mangel auf, der allein auf die Creme zurückzuführen ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Unvollständiges Auftragen: Die meisten Menschen tragen zu wenig Sonnencreme auf oder vergessen bestimmte Stellen (Ohren, Nacken, Haaransatz). Diese "Lücken" reichen oft schon für die Vitamin-D-Synthese aus.
  • Reststrahlung: Selbst bei korrektem Auftragen eines hohen Lichtschutzfaktors gelangt immer noch ein kleiner Teil der UVB-Strahlung an die Haut.
  • Kurze Zeitfenster: Oft wird die Sonnencreme erst aufgetragen, wenn man schon eine Weile im Freien ist, oder sie wirkt nach dem Schwimmen oder Schwitzen nicht mehr zu 100 %.
  • Geringer Bedarf an UV-Licht: Um genügend Vitamin D zu bilden, reicht es für die meisten Menschen (je nach Hauttyp und Wohnort) aus, im Sommer etwa 10 bis 15 Minuten lang Gesicht, Hände und Arme ungeschützt der Sonne auszusetzen – und das nur zwei- bis dreimal pro Woche.

3. Was sagen Studien?

Große Übersichtsuntersuchungen (Reviews) haben gezeigt, dass die tägliche Anwendung von Sonnenschutzmitteln die Vitamin-D-Konzentration im Blut bei gesunden Menschen nicht signifikant senkt. Die Vorteile des Hautschutzes (Vermeidung von DNA-Schäden, Hautalterung und Hautkrebs) überwiegen nach Ansicht der meisten Dermatologen die minimalen Auswirkungen auf den Vitamin-D-Spiegel bei weitem.

4. Wann ist Vorsicht geboten?

Es gibt jedoch Situationen, in denen die Vitamin-D-Bildung tatsächlich zu kurz kommen kann:

  • Im Winter: In nördlichen Breitengraden (wie Deutschland) ist die Sonne von Oktober bis März ohnehin zu schwach für die Vitamin-D-Bildung, egal ob man Creme nutzt oder nicht.
  • Extremer Sonnenschutz: Menschen, die sich strikt im Schatten aufhalten, UV-schützende Kleidung tragen und lückenlos hohe Lichtschutzfaktoren nutzen, können einen niedrigeren Spiegel haben.

Fazit und Empfehlung

Du musst nicht auf Sonnencreme verzichten, um dein Vitamin D zu bekommen.

Tipps für eine gute Balance:

  1. Genieße kurz (ca. 10–15 Min.) die Sonne, bevor du dich eincremst, wenn du einen sehr hellen Hauttyp hast (aber vermeide die Mittagssonne und jegliche Rötung).
  2. Lass deinen Vitamin-D-Spiegel im Herbst beim Arzt checken. Ein Mangel in Deutschland liegt meist eher an der mangelnden Sonnenintensität im Winter als an der Sonnencreme im Sommer.
  3. Bei einem nachgewiesenen Mangel ist die Einnahme von Präparaten (Supplementen) meist sinnvoller und sicherer, als die Haut ungeschützt der krebserregenden UV-Strahlung auszusetzen.