Beeinflusst die Nutzung von Sonnenschutzcreme die körpereigene Bildung von Vitamin D?

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Die kurze Antwort lautet: Theoretisch ja, aber in der praktischen Anwendung meistens nein.

Hier ist die detaillierte Erklärung, warum das so ist und was die Wissenschaft dazu sagt:

1. Die Theorie: Wie Vitamin D entsteht

Vitamin D wird in der Haut gebildet, wenn UV-B-Strahlen auf das 7-Dehydrocholesterol in den Hautzellen treffen. Da Sonnenschutzmittel genau diese UV-B-Strahlen filtern, um Sonnenbrand und Hautkrebs zu verhindern, müssten sie logischerweise auch die Vitamin-D-Produktion blockieren.

Labortests zeigen tatsächlich, dass ein Lichtschutzfaktor (LSF) von 30 etwa 97 % der UV-B-Strahlen blockiert und ein LSF 50 sogar 98 %.

2. Die Praxis: Warum es meist keinen Mangel verursacht

Studien im realen Alltag (im Gegensatz zu kontrollierten Laborbedingungen) haben gezeigt, dass Menschen, die regelmäßig Sonnencreme benutzen, in der Regel keinen Vitamin-D-Mangel erleiden. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Unvollständiges Auftragen: Die meisten Menschen tragen viel zu wenig Sonnencreme auf, um den auf der Packung angegebenen Schutzfaktor tatsächlich zu erreichen. Oft werden auch Stellen vergessen (Ohren, Nacken, Haaransatz).
  • Abnutzung: Schweiß, Wasser und Reibung tragen die Creme im Laufe des Tages ab, wodurch immer noch genügend UV-B-Strahlen an die Haut gelangen.
  • Geringe Menge nötig: Der Körper benötigt oft nur eine sehr kurze Zeit in der Sonne, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Für die meisten Menschen reicht es aus, wenn zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme für 10 bis 20 Minuten ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind (je nach Hauttyp und Jahreszeit).
  • Längerer Aufenthalt: Menschen, die Sonnencreme nutzen, halten sich oft länger im Freien auf als Menschen ohne Schutz. Dadurch gleicht sich die geringere Intensität der Strahlung durch die längere Dauer wieder aus.

3. Was sagen Fachgesellschaften?

Führende dermatologische Gesellschaften und Gesundheitsorganisationen (wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder die Britische Dermatologen-Vereinigung) kommen zu dem Schluss, dass die Vorteile des Sonnenschutzes (Prävention von Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung) die theoretischen Nachteile bei der Vitamin-D-Bildung deutlich überwiegen.

Empfehlungen für eine gute Balance:

  1. Kurze Sonnenphasen: Es ist sinnvoll, die Haut für ein paar Minuten der Sonne auszusetzen, bevor man die Sonnencreme aufträgt – allerdings nur so kurz, dass kein Sonnenbrand entsteht.
  2. Hauttyp beachten: Menschen mit sehr dunkler Haut produzieren Vitamin D langsamer und benötigen daher etwas mehr Sonnenexposition als Menschen mit sehr heller Haut.
  3. Wintermonate: In Mitteleuropa reicht die Sonnenintensität von Oktober bis März ohnehin nicht aus, um Vitamin D zu bilden – unabhängig davon, ob man Sonnencreme nutzt oder nicht. In dieser Zeit greift der Körper auf Speicher zurück oder man muss es über die Ernährung/Supplemente aufnehmen.
  4. Supplementierung: Wenn ein nachgewiesener Mangel vorliegt, ist die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten sicherer als ein exzessives Sonnenbad ohne Schutz.

Fazit: Du musst nicht auf Sonnencreme verzichten, um deinen Vitamin-D-Spiegel hochzuhalten. Der Schutz vor Hautkrebs ist bei normalem Gebrauch der Creme gewährleistet, während in der Regel immer noch genug UV-Licht für die Vitamin-D-Synthese durchkommt.