Sind die Fachartikel in Wirtschaftsmagazinen für Nicht-Experten oft zu kompliziert geschrieben?
Ob Fachartikel in Wirtschaftsmagazinen für Nicht-Experten zu kompliziert sind, lässt sich mit einem „Ja, oft – aber es kommt auf das Magazin an“ beantworten.
Es gibt verschiedene Gründe, warum Wirtschaftstexte auf Laien oft abschreckend oder unverständlich wirken. Hier sind die wichtigsten Faktoren:
1. Die „Sprache der Eingeweihten“ (Jargon)
Wirtschaft ist ein Feld mit einer extrem hohen Dichte an Fachbegriffen und Anglizismen. Begriffe wie „EBITDA“, „Leverage-Effekt“, „Quantitative Easing“ oder „Disruption“ werden oft vorausgesetzt. Für Experten sind das präzise Werkzeuge; für Laien wirken sie wie eine Barriere, die den Lesefluss stoppt.
2. Der „Fluch des Wissens“
Viele Autoren (oft selbst Ökonomen oder spezialisierte Fachjournalisten) leiden unter dem sogenannten „Curse of Knowledge“. Sie können sich nicht mehr vorstellen, wie es ist, ein bestimmtes Konzept nicht zu verstehen. Deshalb lassen sie grundlegende Erklärungen weg, die für das Verständnis des restlichen Artikels aber entscheidend wären.
3. Abstraktheit statt Anschaulichkeit
Wirtschaft findet oft auf einer theoretischen oder statistischen Ebene statt. Während ein lokaler Zeitungsbericht über einen Hausbau anschaulich ist, schreibt ein Wirtschaftsmagazin über „Investitionszyklen im Baugewerbe unter Berücksichtigung der Zinspolitik“. Diese Abstraktion macht Texte trocken und schwer verdaulich.
4. Der Schreibstil (Nominalstil)
Gerade im deutschen Wirtschaftsjournalismus herrscht oft noch ein sehr formeller, akademischer Stil vor:
- Viel Substantivierung: „Die Herbeiführung einer Liquiditätsoptimierung“ statt „Die Firma versucht, wieder flüssig zu sein“.
- Lange Schachtelsätze: Um alle Details und Einschränkungen (Haftungsausschlüsse, Konjunktive) unterzubringen, werden Sätze oft unübersichtlich.
5. Die Zielgruppen-Differenzierung
Man muss zwischen den Magazintypen unterscheiden:
- Publikumszeitschriften (z. B. Wirtschaftswoche, Manager Magazin, Capital): Diese bemühen sich meist um Verständlichkeit und nutzen Storytelling (Geschichten über Personen), um komplexe Themen nahbarer zu machen. Hier ist die Komplexität meist moderat.
- Fachpublikationen (z. B. The Economist, Financial Times oder wissenschaftliche Journale): Diese schreiben explizit für ein Fachpublikum oder eine hochgebildete Elite. Hier wird vorausgesetzt, dass der Leser die Grundlagen der Makro- und Mikroökonomie beherrscht.
Warum ist das ein Problem?
Wenn Wirtschaftsthemen zu kompliziert aufbereitet werden, führt das zu einer „ökonomischen Analphabetisierungsrate“. Menschen fühlen sich von Themen wie Rentenpolitik, Inflation oder Aktienmärkten ausgeschlossen, obwohl diese direkten Einfluss auf ihr Leben haben.
Was machen gute Magazine anders?
Gute Wirtschaftsartikel für Nicht-Experten zeichnen sich dadurch aus, dass sie:
- Analogien nutzen: (z. B. „Der Staatshaushalt ist wie eine schwäbische Hausfrau...“ – auch wenn dieser Vergleich ökonomisch oft hinkt, hilft er beim ersten Verständnis).
- Glossare anbieten: Fachbegriffe werden am Rand erklärt.
- Grafiken einsetzen: Ein gut gemachtes Diagramm sagt oft mehr als drei Absätze Text.
Fazit: Ja, viele Artikel sind für Laien zu kompliziert, weil sie Fachwissen voraussetzen und in einer exklusiven Sprache verfasst sind. Wer jedoch Magazine wählt, die auf „Storytelling“ setzen (wie die Brand eins), findet oft einen wesentlich leichteren Zugang zur Materie.