Können die im Essig enthaltenen Sulfite allergische Reaktionen hervorrufen?
Ja, die in Essig enthaltenen Sulfite können bei empfindlichen Personen Reaktionen hervorrufen.
Hier sind die wichtigsten Fakten dazu:
1. Allergie oder Unverträglichkeit?
Medizinisch gesehen handelt es sich meistens nicht um eine klassische Allergie (eine Reaktion des Immunsystems), sondern um eine Sulfit-Unverträglichkeit (Intoleranz). Da die Symptome jedoch allergischen Reaktionen sehr ähnlich sind, wird oft umgangssprachlich von einer "Sulfit-Allergie" gesprochen.
2. Wer ist besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind Menschen mit Asthma. Schätzungsweise 5 bis 10 % aller Asthmatiker reagieren empfindlich auf Sulfite. Bei ihnen kann der Verzehr von sulfitbehandelten Lebensmitteln (wie Essig) Atemnot oder Asthmaanfälle auslösen (das sogenannte „Sulfit-Asthma“).
3. Mögliche Symptome
Die Reaktionen können variieren und umfassen:
- Atemwege: Keuchen, Kurzatmigkeit, Hustenreiz.
- Haut: Rötungen, Juckreiz, Nesselsucht (Urtikaria).
- Magen-Darm: Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall.
- Allgemein: Kopfschmerzen, Schwindel oder (in sehr seltenen Fällen) ein anaphylaktischer Schock.
4. Kennzeichnungspflicht
In der EU müssen Sulfite ab einer Konzentration von 10 mg/kg oder 10 mg/l auf dem Etikett angegeben werden. Sie finden dann meist den Hinweis „enthält Sulfite“ oder die entsprechenden E-Nummern (E 220 bis E 228) in der Zutatenliste.
5. Welche Essigsorten enthalten Sulfite?
Sulfite werden oft zugesetzt, um die Farbe zu erhalten und das Nachgären oder Bakterienwachstum zu verhindern.
- Häufig betroffen: Weinessig (weiß und rot) sowie Balsamico-Essig enthalten oft Sulfite, da diese bereits im Ausgangsprodukt Wein enthalten sind oder zusätzlich hinzugefügt werden.
- Seltener betroffen: Naturtrüber Apfelessig, Branntweinessig oder Bio-Essigsorten sind oft frei von zugesetzten Sulfiten (enthalten aber manchmal geringe Mengen an natürlicherweise vorkommenden Sulfiten durch den Gärungsprozess).
Was können Sie tun?
Wenn Sie vermuten, auf Sulfite zu reagieren:
- Etiketten lesen: Achten Sie konsequent auf den Hinweis „enthält Sulfite“.
- Bio-Produkte wählen: Im Bio-Bereich sind die Grenzwerte oft strenger und Zusätze seltener.
- Alternative: Verwenden Sie für Salate frisch gepressten Zitronensaft anstelle von Essig, da dieser keine Sulfite enthält (sofern die Zitrone unbehandelt ist).
- Ärztliche Abklärung: Ein Allergologe kann durch Provokationstests feststellen, ob eine Unverträglichkeit vorliegt.