Kann Wund- und Heilsalbe die Infektionsgefahr erhöhen, wenn die Wunde vorher nicht desinfiziert wurde?

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Ja, das ist theoretisch möglich. Wenn man eine herkömmliche Wund- und Heilsalbe (wie zum Beispiel Bepanthen mit dem Wirkstoff Dexpanthenol) auf eine verunreinigte Wunde aufträgt, kann dies das Infektionsrisiko aus mehreren Gründen erhöhen:

1. Der "Einschluss-Effekt" (Okklusion)

Wundsalben basieren meist auf Fettstoffen (wie Vaseline oder Paraffin). Diese bilden einen dichten Schutzfilm über der Wunde. Wenn sich unter diesem Film noch Bakterien, Schmutzpartikel oder Fremdkörper befinden, werden diese förmlich "eingesperrt".

2. Ideales Bakterienwachstum

Unter der Fettschicht der Salbe entsteht ein feuchtes, warmes Milieu. Viele Bakterienarten gedeihen in dieser Umgebung besonders gut. Da die Salbe die Wunde von der Außenluft abschließt, können sich unter Umständen auch anaerobe Bakterien (die ohne Sauerstoff wachsen) vermehren.

3. Behinderung der Selbstreinigung

Eine Wunde reinigt sich anfangs oft selbst durch Wundsekret, das nach außen fließt und Keime ausschwemmt. Eine dicke Salbenschicht kann diesen natürlichen Abfluss behindern.


Die richtige Reihenfolge der Wundversorgung:

Um eine Infektion zu vermeiden, sollte die Reihenfolge immer lauten: Reinigen – Desinfizieren – Schützen.

  1. Reinigen: Schmutz mit klarem Wasser oder Kochsalzlösung vorsichtig ausspülen.
  2. Desinfizieren: Ein geeignetes Wundspray (z. B. mit Octenidin oder Povidon-Iod) verwenden, um Keime abzutöten.
  3. Heilen/Schützen: Erst wenn die Wunde sauber und die Blutung gestoppt ist, sollte eine Heilsalbe aufgetragen werden.

Wichtige Ausnahme: Antiseptische Salben

Es gibt einen Unterschied zwischen reinen Heilsalben (zur Zellregeneration) und antiseptischen Salben (z. B. mit Povidon-Iod oder Tyrothricin). Antiseptische Salben enthalten Wirkstoffe, die Keime direkt bekämpfen. Diese werden oft gezielt eingesetzt, um Infektionen vorzubeugen oder zu behandeln.

Wann sollte man keine Heilsalbe verwenden?

  • Bei frischen, stark nässenden Wunden: Hier verhindert die Salbe, dass Wundwasser abfließen kann.
  • Bei tiefen Wunden oder Bisswunden: Diese müssen immer ärztlich versorgt werden, da hier ein hohes Infektionsrisiko (auch Tetanus) besteht.
  • Wenn bereits Anzeichen einer Infektion vorliegen: (Rötung, Schwellung, Pochen, Eiter). In diesem Fall gehört die Wunde in ärztliche Behandlung.

Fazit: Eine Wund- und Heilsalbe ist dafür da, die Heilung einer sauberen Wunde zu beschleunigen. Sie ist kein Ersatz für eine Desinfektion.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung.