Kann Milchzahn-Gel ein Taubheitsgefühl verursachen, das das Stillen erschwert?
Ja, das ist durchaus möglich und sogar ein bekanntes Problem.
Viele herkömmliche Zahnungshilfen (wie z. B. Dentinox oder andere Gele aus der Apotheke) enthalten lokale Betäubungsmittel wie Lidocain oder Polidocanol. Diese Wirkstoffe sollen den Schmerz am Zahnfleisch betäuben, können aber folgende Auswirkungen auf das Stillen haben:
Warum es das Stillen erschweren kann:
- Taubheit der Zunge und des Mundraums: Das Gel bleibt meist nicht nur an der Stelle, wo der Zahn durchbricht. Durch den Speichelfluss verteilt es sich im gesamten Mundraum und auf der Zunge. Wenn die Zunge taub ist, kann das Baby sie nicht mehr richtig für die Wellenbewegung beim Saugen einsetzen.
- Gestörter Saugreflex: Ein Baby benötigt Gefühl im Mund, um die Brustwarze richtig zu erfassen und ein Vakuum aufzubauen. Wenn der Mund taub ist, „rutscht“ das Baby oft ab oder kann die Brustwarze nicht fest genug umschließen.
- Verschluckungsgefahr: Wenn der Rachenraum leicht mitbetäubt wird, kann der Schluckreflex beeinträchtigt sein. Das kann dazu führen, dass sich das Baby beim Trinken leichter verschluckt.
- Beißgefahr: Da das Baby nicht spürt, wo genau sich seine Kiefer und die Brustwarze befinden, kann es passieren, dass es unabsichtlich zubeißt.
Empfehlungen für den Umgang:
- Timing: Wenn Sie ein betäubendes Gel verwenden möchten, tragen Sie es nach dem Stillen auf, niemals kurz davor. So hat der Wirkstoff Zeit abzuklingen, bis die nächste Mahlzeit ansteht.
- Sparsame Dosierung: Verwenden Sie nur eine sehr kleine Menge (erbsengroß oder weniger) und massieren Sie es gezielt nur auf die betroffene Stelle ein.
- Alternativen ohne Betäubungsmittel:
- Kühlung: Ein Beißring aus dem Kühlschrank (nicht Gefrierfach!) oder ein nasser, kalter Waschlappen zum Draufrumkauen helfen oft sehr gut.
- Massage: Mit dem sauberen Finger sanft das Zahnfleisch massieren.
- Pflanzliche Alternativen: Es gibt Gele auf Basis von Kamille, Salbei oder Nelke ohne chemische Betäubungsmittel (z. B. Osa Pflanzen-Zahngel). Diese wirken eher lindernd als betäubend.
- Harte Brotrinde oder Beißmuffins: Falls das Baby schon Beikost bekommt.
Wichtiger Hinweis:
Internationale Gesundheitsbehörden (wie die FDA in den USA) warnen mittlerweile sogar vor der routinemäßigen Anwendung von Lidocain-haltigen Gelen bei Babys, da es bei Überdosierung zu ernsthaften Nebenwirkungen führen kann. In Deutschland sind sie zwar zugelassen, sollten aber wegen der oben genannten Stillprobleme und Sicherheitsaspekte sehr zurückhaltend eingesetzt werden.
Fazit: Wenn Ihr Baby nach der Anwendung des Gels Schwierigkeiten hat zu trinken, liegt das sehr wahrscheinlich an der lokalen Betäubung. Probieren Sie es stattdessen mit Kühlung oder tragen Sie das Gel erst nach der Mahlzeit auf.