Kann eine zu dicke Schicht Wundgel die natürliche Wundheilung verzögern?

Melden

Ja, eine zu dicke Schicht Wundgel kann die natürliche Wundheilung unter bestimmten Umständen tatsächlich verzögern oder sogar Probleme verursachen.

Obwohl das Prinzip der feuchten Wundheilung (für das Wundgele entwickelt wurden) wissenschaftlich belegt und vorteilhaft ist, gilt hier nicht unbedingt das Motto „Viel hilft viel“.

Hier sind die Gründe, warum eine zu dicke Schicht kontraproduktiv sein kann:

1. Mazeration (Aufweichung) der Wundränder

Das ist das häufigste Problem. Wenn das Gel zu dick aufgetragen wird und über den Wundrand auf die gesunde, umgebende Haut quillt, wird diese Haut zu feucht. Sie weicht auf (ähnlich wie die Finger nach einem langen Bad). Diese aufgeweichte Haut ist anfälliger für Bakterien, Entzündungen und Reizungen. Ein gesunder Wundrand ist jedoch essenziell, damit sich neues Gewebe von außen nach innen schließen kann.

2. Behinderung des Gasaustausches

Wunden benötigen für die Heilung einen gewissen Gasaustausch. Eine extrem dicke Schicht (insbesondere bei sehr zähen Gelen) kann wie ein Verschluss wirken, der den Gasaustausch behindert. Dies kann das Wachstum bestimmter Bakterien begünstigen, die sich in sauerstoffarmer Umgebung wohlfühlen.

3. Hypergranulation („Wildes Fleisch“)

In einer zu feuchten Umgebung kann es passieren, dass der Körper zu viel Ersatzgewebe bildet (Hypergranulation). Dieses Gewebe wuchert über das Hautniveau hinaus und verhindert, dass die eigentliche Hautschicht (Epithelisierung) darüberwachsen kann. Die Wunde schließt sich dann nicht plan.

4. Erschwerte Wundreinigung

Wird bei jedem Verbandwechsel eine dicke Schicht Gel aufgetragen, ohne die Reste der alten Schicht gründlich (aber vorsichtig) zu entfernen, können sich unter den Gelschichten Bakterien oder Zelltrümmer ansammeln, was das Infektionsrisiko erhöht.

5. Instabilität des Verbandes

Zu viel Gel kann dazu führen, dass das Pflaster oder die Kompresse nicht mehr richtig haftet oder das Gel an den Seiten herausläuft. Ein verrutschender Verband kann die Wunde mechanisch reizen.


Wie macht man es richtig?

  • Dicke: Als Faustregel gilt oft eine Schichtdicke von etwa 1 bis 2 Millimetern (ungefähr messerrückendick). Das reicht aus, um das feuchte Milieu aufrechtzuerhalten.
  • Wundrandschutz: Wenn Sie zu viel Gel verwenden müssen (z. B. bei tiefen Wunden), sollten Sie den gesunden Wundrand mit einer Schutzcreme (z. B. Zinksalbe oder einer speziellen Barrierecreme) schützen, um Mazeration zu verhindern.
  • Packungsbeilage: Beachten Sie die spezifischen Anweisungen des Herstellers, da es Unterschiede zwischen Hydrogelen, Silikongelen und antiseptischen Gelen gibt.

Fazit: Eine dünne, gleichmäßige Schicht, die die Wunde bedeckt, ist ideal. Mehr Gel beschleunigt die Heilung nicht, sondern erhöht lediglich das Risiko von Hautaufweichungen am Rand.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei tiefen, infizierten oder schlecht heilenden Wunden sollten Sie immer einen Arzt oder eine zertifizierte Wundfachkraft aufsuchen.