Kann Wundgel bei großflächigen Verbrennungen zu Problemen mit dem Flüssigkeitshaushalt führen?
Die kurze Antwort lautet: Ja, der Einsatz von Wundgelen bei großflächigen Verbrennungen kann indirekt zu ernsthaften Problemen führen, allerdings weniger durch das „Entziehen“ von Flüssigkeit, sondern primär durch die Beeinflussung der Körpertemperatur und das Risiko einer systemischen Aufnahme von Inhaltsstoffen.
Hier sind die wichtigsten Gründe, warum man bei großflächigen Verbrennungen (ab ca. 10 % der Körperoberfläche bei Erwachsenen, 5 % bei Kindern) mit Wundgelen und auch mit intensiver Kühlung vorsichtig sein muss:
1. Gefahr der Unterkühlung (Hypothermie)
Dies ist das kritischste Problem. Großflächige Verbrennungen zerstören die Schutzbarriere der Haut, die normalerweise die Körpertemperatur reguliert.
- Verdunstungskälte: Wundgele bestehen meist zu einem sehr hohen Anteil aus Wasser. Wenn diese großflächig aufgetragen werden, entziehen sie dem Körper durch Verdunstung massiv Wärme.
- Folgen: Eine Unterkühlung verschlechtert die Durchblutung des verletzten Gewebes (Zerstörung von noch gesundem Restgewebe) und stört die Blutgerinnung sowie den Stoffwechsel. Dies verschlimmert den sogenannten Verbrennungsschock, bei dem der Flüssigkeitshaushalt ohnehin bereits massiv gestört ist.
2. Systemische Aufnahme von Inhaltsstoffen (Toxizität)
Die Haut dient als Barriere. Bei einer Verbrennung ist diese Barriere weg.
- Wundgele enthalten oft Konservierungsstoffe (wie Polyhexanid) oder Wirkstoffe (wie Lidocain oder Silber).
- Bei kleinflächigen Wunden ist die Aufnahme in den Blutkreislauf minimal. Bei großflächiger Anwendung können diese Stoffe jedoch in Mengen aufgenommen werden, die für den Organismus toxisch sein können (z. B. Belastung von Nieren oder Leber).
3. Maskierung der Wundtiefe
Gele können die Beurteilung der Verbrennungstiefe durch den Notarzt oder Chirurgen erschweren. Eine präzise Einschätzung ist jedoch entscheidend für die Berechnung des Flüssigkeitsersatzes (Infusionstherapie nach der Parkland-Formel).
4. Der eigentliche Flüssigkeitsverlust
Bei einer großflächigen Verbrennung verliert der Körper Flüssigkeit nicht wegen des Gels, sondern durch:
- Erhöhte Kapillarpermeabilität: Die Gefäße werden „undicht“, und Flüssigkeit tritt aus dem Blutkreislauf ins Gewebe aus (Ödembildung).
- Verdunstung: Über die offene Wundfläche geht massiv Wasser verloren.
Ein Wundgel allein kann diesen massiven inneren Flüssigkeitsverlust nicht stoppen. Es kann sogar ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln, während der Patient innerlich austrocknet (Volumenmangelschock).
Was ist stattdessen zu tun? (Erste Hilfe bei großen Verbrennungen)
- Notruf 112 wählen: Großflächige Verbrennungen sind lebensgefährliche Notfälle.
- Keine großflächige Kühlung: Nur kleine Verbrennungen (z. B. ein Finger, eine handtellergroße Stelle) sollten ca. 10–20 Minuten mit handwarmem Leitungswasser gekühlt werden. Bei großflächigen Verbrennungen: Gefahr der Unterkühlung! Hier nur die Kleidung löschen, aber nicht den ganzen Körper kühlen.
- Sterile Abdeckung: Die Wunden locker mit einem sterilen Verbandtuch (z. B. aus dem Verbandkasten) abdecken, ohne Druck auszuüben.
- Keine Hausmittel oder Gele: Verwenden Sie bei großen Flächen keine Brandsalben, Gele, Mehl oder Zahnpasta.
- Wärmeerhalt: Decken Sie den Patienten (außer an den verbrannten Stellen) mit einer Rettungsdecke oder einer normalen Decke zu, um Wärmeverlust zu vermeiden.
Zusammenfassend: Bei großen Verbrennungen steht die Stabilisierung des Kreislaufs durch professionelle Hilfe (Infusionen) und der Wärmeerhalt im Vordergrund. Wundgele sind für die Behandlung von kleineren, oberflächlichen Verbrennungen im Haushalt gedacht, nicht für schwere, großflächige Verletzungen.