Ist Tapetenkleister gesundheitlich unbedenklich für die Verwendung in Innenräumen?
Ja, herkömmlicher Tapetenkleister gilt im Allgemeinen als gesundheitlich unbedenklich, sofern er sachgemäß verwendet wird. Es gibt jedoch einige Details zu Inhaltsstoffen und speziellen Produkten, die man kennen sollte.
Hier ist eine detaillierte Übersicht:
1. Die Hauptbestandteile (Harmlos)
Die Basis der meisten Tapetenkleister ist Methylcellulose (ein Derivat von Zellulose, die aus Holz oder Baumwolle gewonnen wird).
- Methylcellulose ist ungiftig, biologisch abbaubar und wird sogar in der Lebensmittelindustrie (z. B. als Verdickungsmittel E461) oder in der Pharmazie eingesetzt.
- In reiner Form (als Pulver zum Anrühren) ist dieser Kleister für den Menschen (auch für Kinder und Haustiere) bei Hautkontakt völlig unproblematisch.
2. Mögliche kritische Zusatzstoffe
Je nach Art des Kleisters können Zusatzstoffe enthalten sein, die weniger harmlos sind:
- Konservierungsmittel (Biozide): Damit der angerührte Kleister im Eimer nicht verdirbt (schimmelt oder fault), setzen Hersteller oft Konservierungsstoffe ein, häufig aus der Gruppe der Isothiazolinone (z.B. MIT oder BIT). Diese können bei Allergikern Hautreizungen oder bei Kontakt allergische Reaktionen auslösen.
- Kunstharz-Zusätze: Sogenannter „Spezialkleister“ für schwere Tapeten oder Vliestapeten enthält oft Kunstharzpulver (PVA), um die Klebkraft zu erhöhen. Auch dies ist im ausgehärteten Zustand unbedenklich, kann aber beim Verarbeiten die Haut austrocknen.
- Fungizide (Anti-Schimmel-Mittel): Manche Kleister enthalten Zusätze, die Schimmelbildung hinter der Tapete verhindern sollen. Diese Biozide können in die Raumluft ausgasen und sind gesundheitlich eher kritisch zu bewerten, besonders für Schlafräume oder Kinderzimmer.
3. Worauf sollten Sie achten? (Empfehlungen)
- Blauer Engel: Achten Sie beim Kauf auf das Umweltsiegel „Blauer Engel“. Produkte mit diesem Siegel sind schadstoffarm und enthalten nur ein Mindestmaß an Konservierungsstoffen.
- Reinheit: Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen (z. B. für das Kinderzimmer), kaufen Sie reinen Zellulosekleister ohne Kunstharz und ohne Fungizide. Dieser wird meist als Pulver verkauft.
- Flüssigkleister vs. Pulver: Fertig angemischter Kleister aus dem Eimer enthält zwangsläufig mehr Konservierungsmittel als Pulver, das frisch mit Wasser angerührt wird.
- Lüften: Während des Tapezierens und vor allem während der Trocknungsphase sollte gut gelüftet werden. So entweicht die Feuchtigkeit und eventuelle flüchtige Stoffe (VOCs) werden abtransportiert.
- Hautschutz: Auch wenn Kleister nicht giftig ist, entzieht er der Haut beim Trocknen Feuchtigkeit. Menschen mit empfindlicher Haut sollten Handschuhe tragen oder die Hände nach der Arbeit gründlich waschen und eincremen.
4. Was ist bei Verschlucken?
Falls Kinder beim Basteln etwas Kleister in den Mund bekommen: Reiner Zellulosekleister ist nicht giftig. Es sollte lediglich der Mund ausgespült und etwas Wasser nachgetrunken werden. Bei Kleistern mit Fungiziden oder bei größeren Mengen sollte jedoch vorsichtshalber ein Arzt oder der Giftnotruf kontaktiert werden.
Fazit: Für ein normales Wohnklima ist Tapetenkleister (besonders als Pulver auf Zellulosebasis) sehr sicher. Wer empfindlich reagiert oder ökologisch bauen möchte, sollte auf Produkte ohne Konservierungsmittel und Fungizide setzen.