Ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Kieselerde wissenschaftlich eindeutig belegt?
Die kurze Antwort lautet: Nein, eine gesundheitsfördernde Wirkung von Kieselerde ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Obwohl Kieselerde seit Jahrzehnten als Schönheitsmittel für Haut, Haare und Nägel vermarktet wird, halten die Versprechen einer kritischen wissenschaftlichen Prüfung meist nicht stand.
Hier sind die wichtigsten Fakten zur aktuellen Studienlage und zur rechtlichen Bewertung:
1. Bewertung durch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)
Die EFSA hat die wissenschaftlichen Daten zu Kieselerde (bzw. dem darin enthaltenen Silicium) mehrfach geprüft. Das Ergebnis ist eindeutig:
- Es konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Silicium und der Gesundheit von Haut, Haaren oder Nägeln festgestellt werden.
- Auch die angebliche Stärkung von Knochen oder Bindegewebe wurde als nicht ausreichend belegt eingestuft.
- Die Folge: Hersteller dürfen in der EU keine sogenannten "Health Claims" (gesundheitsbezogene Aussagen) für Kieselerde verwenden. Sie dürfen also nicht direkt auf der Packung werben, dass Kieselerde "das Haar kräftigt" oder "die Nägel härtet".
2. Silicium als Spurenelement
Kieselerde besteht zum Großteil aus Siliciumdioxid. Silicium kommt im menschlichen Körper tatsächlich vor (vor allem im Bindegewebe, in den Knorpeln und Knochen).
- Kein essenzieller Nährstoff: Bis heute ist nicht abschließend geklärt, ob Silicium für den Menschen lebensnotwendig (essenziell) ist. Es gibt keine festen Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
- Zufuhr über die Nahrung: Selbst wenn man Silicium benötigt, nehmen wir es in der Regel in ausreichender Menge über normales Trinkwasser und pflanzliche Lebensmittel (wie Hafer, Gerste, Kartoffeln oder Vollkornprodukte) auf. Eine zusätzliche Supplementierung ist für gesunde Menschen meist unnötig.
3. Problematik der Studienlage
Es gibt zwar vereinzelte Studien, die positive Effekte von Silicium-Präparaten nahelegen, diese weisen jedoch oft Mängel auf:
- Sie wurden häufig an sehr kleinen Probandengruppen durchgeführt.
- Die Studiendauer war oft zu kurz.
- Teilweise wurden die Studien von Herstellern finanziert (Interessenkonflikt).
4. Mögliche Risiken und Schadstoffe
Kieselerde ist nicht völlig unbedenklich, wenn sie über einen langen Zeitraum in hohen Dosen eingenommen wird:
- Nierenschäden: Bei langfristiger hochdosierter Einnahme von Kieselerde-Präparaten kann es zur Bildung von Silicium-Nierensteinen kommen.
- Schadstoffbelastung: Untersuchungen (u. a. von Öko-Test) haben in der Vergangenheit gezeigt, dass manche Kieselerde-Produkte mit Blei oder anderen Schwermetallen belastet waren. Zudem enthalten einige Präparate Quarz oder Cristobalit, die in feiner Staubform (beim Einatmen des Pulvers) gesundheitsschädlich sein können.
Fazit
Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen Grund für die Einnahme von Kieselerde, um die Struktur von Haaren oder Nägeln zu verbessern. Wenn Haare spröde sind oder Nägel splittern, liegt das oft an einem Mangel an anderen Nährstoffen (wie Eisen, Zink, Biotin oder Proteinen) oder an äußeren Einflüssen.
Empfehlung: Eine ausgewogene Ernährung ist effektiver und sicherer als die Einnahme von Kieselerde-Präparaten. Wenn Sie Probleme mit Haut, Haaren oder Nägeln haben, ist eine Blutuntersuchung beim Arzt sinnvoller, um tatsächliche Mangelerscheinungen festzustellen.