Gibt es einen Zusammenhang zwischen aggressivem Mundwasser und einem erhöhten Blutdruck?

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Ja, es gibt tatsächlich einen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Anwendung von aggressivem (insbesondere antibakteriellem) Mundwasser und einem Anstieg des Blutdrucks.

Hier ist die Erklärung, warum das passiert:

1. Die Rolle der Bakterien im Mund

In unserem Mund leben Milliarden von Bakterien. Viele davon sind nützlich. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es, Nitrat (das wir über die Nahrung, z. B. durch Gemüse, aufnehmen) in Nitrit umzuwandeln.

2. Der Stickstoffmonoxid-Kreislauf (NO)

Wenn wir das im Mund produzierte Nitrit schlucken, wird es im Körper (vor allem im Magen und in den Blutgefäßen) zu Stickstoffmonoxid (NO) weiterverarbeitet. Stickstoffmonoxid ist ein entscheidendes Signalmolekül für unsere Blutgefäße:

  • Es entspannt die glatte Muskulatur der Gefäßwände.
  • Die Gefäße weiten sich (Vasodilatation).
  • Die Folge: Der Blutdruck sinkt.

3. Die Wirkung von Mundwasser

Aggressive Mundspülungen, die Wirkstoffe wie Chlorhexidin oder teilweise auch hohe Konzentrationen von Alkohol oder anderen starken Antiseptika enthalten, unterscheiden nicht zwischen "guten" und "bösen" Bakterien. Sie töten einen Großteil der oralen Flora ab.

  • Der Effekt: Ohne die hilfreichen Bakterien wird weniger Nitrat in Nitrit umgewandelt.
  • Die Konsequenz: Es steht weniger Stickstoffmonoxid zur Verfügung, die Gefäße können sich nicht mehr so gut entspannen, und der Blutdruck steigt messbar an.

Was sagen die Studien?

Verschiedene Studien (u. a. von der Queen Mary University of London oder der University of Plymouth) haben gezeigt:

  • Die Verwendung von Mundwasser mit Chlorhexidin zweimal täglich kann den systolischen Blutdruck innerhalb weniger Tage um 2 bis 3 mmHg ansteigen lassen.
  • Bei manchen Probanden war der Effekt sogar noch deutlicher.
  • Sobald das Mundwasser abgesetzt wurde, kehrte der Blutdruck auf sein normales Niveau zurück, da sich die Bakterienflora regenerierte.

Welche Mundwasser sind "aggressiv"?

Besonders problematisch sind medizinische Mundspülungen mit dem Wirkstoff Chlorhexidin (CHX). Diese werden oft nach Zahn-Operationen oder bei Zahnfleischentzündungen verschrieben. Sie sind hochwirksam gegen Plaque, sollten aber in der Regel nicht dauerhaft angewendet werden.

Empfehlungen

  1. Nicht grundlos verwenden: Nutzen Sie antibakterielle Mundspülungen nur dann täglich, wenn es Ihnen Ihr Zahnarzt für einen begrenzten Zeitraum (z. B. nach einer OP) ausdrücklich empfohlen hat.
  2. Mechanische Reinigung vor Chemie: Zähneputzen, Zahnseide und die Reinigung der Zunge sind für die Mundhygiene meist ausreichend und schonen die wichtigen Bakterien.
  3. Milde Alternativen: Wenn Sie Mundwasser zur Erfrischung nutzen möchten, wählen Sie Produkte ohne starke Antiseptika wie Chlorhexidin.
  4. Blutdruckpatienten: Menschen, die ohnehin schon an Bluthochdruck leiden, sollten besonders vorsichtig mit scharfen Mundspülungen sein, da diese die Wirkung ihrer Medikamente beeinträchtigen könnten.

Fazit: Der Mund ist der Anfang unseres Verdauungs- und Stoffwechselsystems. Ein "zu sauberer" Mund durch chemische Keulen stört natürliche Prozesse, die für die Herz-Kreislauf-Gesundheit wichtig sind.

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