Gibt es ein Risiko durch Verunreinigungen mit Pyrrolizidinalkaloiden in Fencheltee-Produkten?

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Ja, es besteht ein potenzielles Gesundheitsrisiko durch Verunreinigungen mit Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Fencheltee sowie in anderen Kräutertees und Tees.

Hier ist eine detaillierte Zusammenfassung der Situation, der Risiken und der aktuellen Schutzmaßnahmen:

1. Was sind Pyrrolizidinalkaloide (PA)?

PAs sind natürliche Inhaltsstoffe, die von bestimmten Pflanzenarten (z. B. Greiskräutern wie dem Jakobskreuzkraut) gebildet werden, um sich vor Fraßfeinden zu schützen.

Wichtig: Der Fenchel selbst produziert keine PAs. Die Verunreinigung entsteht dadurch, dass PA-haltige Wildkräuter („Beikräuter“) versehentlich bei der Ernte der Fenchelsamen mitgeerntet werden und so in das Endprodukt gelangen.

2. Welche gesundheitlichen Risiken gibt es?

PAs sind toxikologisch bedenklich:

  • Leberschädigung: Bei hoher Dosierung können sie die Leber akut schädigen (Verschluss der Lebervenen).
  • Krebsrisiko und Erbgutveränderung: In Tierversuchen haben sich bestimmte PAs als krebserzeugend und erbgutverändernd (mutagen) erwiesen. Daher gibt es laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine Dosis, die als völlig sicher gilt („so wenig wie möglich“).

3. Aktuelle rechtliche Lage (Grenzwerte)

Früher gab es keine gesetzlichen Grenzwerte, was zu teils sehr hohen Funden in Tees führte. Seit dem 1. Juli 2022 gilt jedoch die EU-Verordnung 2021/1317, die verbindliche Höchstgehalte für PAs in Lebensmitteln (einschließlich Kräutertees) festlegt.

  • Produkte, die diese Grenzwerte überschreiten, dürfen nicht mehr verkauft werden.
  • Die Hersteller sind verpflichtet, ihre Ernteprozesse zu kontrollieren und die Felder von Beikräutern freizuhalten.

4. Besonderes Risiko für Kinder und Schwangere

Fencheltee wird oft bei Blähungen (Dreimonatskoliken) für Säuglinge und Kleinkinder sowie für stillende Mütter empfohlen. Da Kinder ein geringeres Körpergewicht haben, erreichen sie schneller eine kritische Dosis pro Kilogramm Körpergewicht.

  • Empfehlung des BfR: Eltern sollten Kindern nicht ausschließlich Kräutertees wie Fencheltee geben, sondern auch Wasser oder andere Getränke zur Abwechslung anbieten.
  • Stillende Mütter sollten ebenfalls auf eine abwechslungsreiche Getränkewahl achten, da PAs in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen können.

5. Wie kann man das Risiko minimieren?

  • Abwechslung ist der beste Schutz: Trinken Sie nicht über lange Zeiträume hinweg täglich große Mengen derselben Teesorte (das gilt für alle Kräutertees). Wechseln Sie zwischen verschiedenen Kräutern und Herstellern.
  • Markenqualität: Große Hersteller und Bio-Marken haben oft strengere Kontrollsysteme und aufwendigere Reinigungsverfahren bei der Ernte, um Beikräuter zu eliminieren.
  • Zubereitung: PAs sind wasserlöslich. Die Ziehzeit und die Temperatur beeinflussen den Gehalt, aber da man Tee meist heiß aufgießt, lässt sich die Aufnahme durch die Zubereitung kaum verhindern.

Fazit

Ja, das Risiko existiert, aber es hat sich durch die Einführung der EU-Grenzwerte im Jahr 2022 deutlich verringert. Die Belastung der Produkte auf dem Markt wird strenger überwacht als früher. Wenn Sie Fencheltee in normalen Mengen und im Wechsel mit anderen Getränken konsumieren, ist das Gesundheitsrisiko nach aktuellem Kenntnisstand gering. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte man jedoch besonders auf Abwechslung achten.

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