Führen Medikamente gegen Reisekrankheit häufig zu starker Müdigkeit oder Benommenheit?
Ja, das ist sogar eine der häufigsten Nebenwirkungen vieler gängiger Medikamente gegen Reisekrankheit.
Hier ist der Hintergrund, warum das so ist und welche Unterschiede es gibt:
1. Warum machen diese Medikamente müde?
Die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe gegen Reisekrankheit (z. B. Dimenhydrinat, bekannt in Mitteln wie Vomex oder Reisegold) gehören zur Gruppe der Antihistaminika der 1. Generation.
- Wirkungsweise: Diese Stoffe blockieren H1-Rezeptoren im Gehirn, um das Brechzentrum zu beruhigen.
- Das Problem: Da sie die Blut-Hirn-Schranke sehr leicht überwinden, wirken sie auch auf das Schlaf-Wach-Zentrum. Sie unterdrücken die Wachsignale des Körpers, was zu starker Müdigkeit, Benommenheit und einer verlangsamten Reaktionszeit führt.
2. Wie stark ist die Beeinträchtigung?
Die Wirkung kann so stark sein, dass sie die Fahrtüchtigkeit massiv beeinträchtigt.
- Selbstfahrer: Wer das Auto selbst steuert, sollte diese Medikamente auf keinen Fall nehmen.
- Begleiterscheinungen: Neben Müdigkeit kann es auch zu trockenem Mund, Sehstörungen (verschwommenes Sehen) oder Konzentrationsschwäche kommen.
3. Gibt es Alternativen, die nicht müde machen?
Wenn Sie die Müdigkeit vermeiden wollen, gibt es verschiedene Ansätze:
- Ingwer (Pflanzlich): Ingwer-Präparate (z. B. Zintona) wirken direkt im Magen-Darm-Trakt und nicht im Gehirn. Sie machen nicht müde und sind eine gute Alternative bei leichter bis mittelschwerer Reisekrankheit.
- Scopolamin-Pflaster: Diese sind verschreibungspflichtig (z. B. Scopoderm). Sie werden hinter das Ohr geklebt. Sie können zwar auch Nebenwirkungen wie Benommenheit haben, aber die Dosierung über die Haut ist gleichmäßiger. Viele Menschen empfinden sie als weniger einschränkend als Tabletten, allerdings ist die Liste der Nebenwirkungen (z. B. Sehbeeinträchtigungen) auch hier vorhanden.
- Spezielle Antihistaminika: Wirkstoffe wie Cinnarizin oder Meclozin (letzteres in Deutschland kaum noch erhältlich, oft in der Schweiz oder im Ausland) gelten als etwas besser verträglich in Bezug auf die Müdigkeit, wirken aber dennoch leicht sedierend.
- Nicht-medikamentöse Methoden: Akupressur-Armbänder (die auf den P6-Punkt am Handgelenk drücken) oder das bewusste Schauen auf den Horizont.
Zusammenfassend
Wenn Sie ein Standardpräparat aus der Apotheke kaufen (Dimenhydrinat), müssen Sie mit deutlicher Müdigkeit rechnen. Für Beifahrer, die im Flugzeug, Bus oder Zug einfach nur schlafen wollen, ist dieser Effekt oft sogar willkommen. Wer jedoch aktiv am Geschehen teilnehmen oder selbst fahren will, sollte zu Ingwer greifen oder vorab mit einem Arzt über verschreibungspflichtige Alternativen sprechen.
Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Fragen Sie bei der Einnahme von Medikamenten immer Ihren Arzt oder Apotheker.