Erhöht das Schnullern das Risiko für wiederkehrende Mittelohrentzündungen?

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Ja, wissenschaftliche Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang: Häufiges Schnullern erhöht das Risiko für wiederkehrende Mittelohrentzündungen (Otitis media).

Hier sind die wichtigsten Gründe und Hintergründe für diesen Zusammenhang:

1. Beeinträchtigung der Belüftung (Eustachische Röhre)

Die Eustachische Röhre (auch Ohrtrompete genannt) verbindet den Nasenrachenraum mit dem Mittelohr. Sie sorgt für den Druckausgleich und den Abfluss von Sekreten. Durch das kontinuierliche Saugen am Schnuller verändern sich die Druckverhältnisse im Rachenraum. Dies kann dazu führen, dass die Ohrtrompete nicht mehr richtig öffnet oder schließt, was die Belüftung des Mittelohrs stört.

2. Aufsteigen von Krankheitserregern

Durch die Saugpumpebewegung beim Schnullern können Bakterien und Viren aus dem Nasenrachenraum leichter in Richtung Mittelohr „hochgesaugt“ werden. Da die Ohrtrompete bei Säuglingen und Kleinkindern noch kürzer und horizontaler verläuft als bei Erwachsenen, haben Keime ein leichtes Spiel.

3. Keimbesiedelung des Schnullers

Schnuller sind oft mit Bakterien besiedelt (Biofilm). Wenn ein Kind den Schnuller ständig im Mund hat, steigt die allgemeine Keimbelastung im Mund- und Rachenraum, was Infektionen begünstigen kann.


Was sagen die Studien?

Meta-Analysen haben ergeben, dass Kinder, die regelmäßig einen Schnuller benutzen, ein etwa 25 bis 33 % höheres Risiko für Mittelohrentzündungen haben als Kinder, die ohne Schnuller aufwachsen. Besonders bei Kindern, die den Schnuller den ganzen Tag über (und nicht nur zum Einschlafen) nutzen, ist das Risiko erhöht.

Empfehlungen für Eltern

Um das Risiko zu senken, ohne das Saugbedürfnis des Kindes völlig zu ignorieren, empfehlen Kinderärzte und HNO-Spezialisten meist Folgendes:

  1. Gebrauch einschränken: Ab dem Alter von etwa 6 bis 10 Monaten sollte der Schnuller idealerweise nur noch gezielt als Einschlafhilfe oder in extremen Trostsituationen eingesetzt werden, nicht mehr dauerhaft tagsüber.
  2. Frühzeitiges Abgewöhnen: Experten raten dazu, den Schnuller zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr ganz abzugewöhnen. In dieser Zeit sinkt das natürliche Saugbedürfnis, während die Anfälligkeit für Ohrenprobleme oft noch hoch ist.
  3. Hygiene: Den Schnuller regelmäßig auskochen und bei Rissen sofort entsorgen.
  4. Stillen: Stillen (wenn möglich) gilt als Schutzfaktor, da es die Muskulatur im Rachenraum stärkt und das Immunsystem unterstützt.

Wichtig: Wenn Ihr Kind bereits unter wiederkehrenden Mittelohrentzündungen leidet, sollten Sie das Thema Schnuller unbedingt mit Ihrem Kinderarzt oder einem HNO-Arzt besprechen. Oft ist die Reduktion des Schnullerns eine der ersten Maßnahmen, um die Anzahl der Infektionen zu senken.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Beratung.

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