Enthält Eiweißbrot häufig mehr künstliche Zusatzstoffe als traditionelles Brot?
Ja, tendenziell enthält industriell hergestelltes Eiweißbrot (besonders das aus dem Supermarkt oder vom Discounter) häufig mehr Zusatzstoffe als traditionelles Brot.
Hier sind die Gründe, warum das so ist und welche Stoffe oft zugesetzt werden:
1. Fehlendes Gerüst (Stärke)
In traditionellem Brot sorgt die Stärke im Getreidemehl für die Struktur und die Bindung. Da Eiweißbrot kaum Kohlenhydrate (also wenig Mehl) enthält, fehlt dieser natürliche „Klebstoff“. Um trotzdem eine brotähnliche Konsistenz zu erreichen, müssen Hersteller nachhelfen mit:
- Gluten (Weizenkleber): Oft wird isoliertes Gluten in großen Mengen zugesetzt, um Elastizität zu gewährleisten.
- Verdickungsmittel: Stoffe wie Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl oder Xanthan werden genutzt, um Feuchtigkeit zu binden und Textur zu geben.
2. Haltbarkeit und Feuchtigkeit
Eiweißbrot hat einen deutlich höheren Anteil an Fett (durch Saaten und Nüsse) und oft einen höheren Wassergehalt. Diese Kombination macht es anfälliger für Verderb und Schimmel. Deshalb finden sich oft:
- Konservierungsstoffe: Wie zum Beispiel Sorbinsäure oder Calciumpropionat.
- Säuerungsmittel: Um den Geschmack zu stabilisieren und die Haltbarkeit zu verlängern.
3. Emulgatoren
Damit sich die verschiedenen Komponenten (viel Fett/Öl, Wasser, Protein-Isolate) gut vermischen und nicht trennen, werden häufig Emulgatoren wie Lecithine oder Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren eingesetzt.
4. Geschmackskorrektur
Pflanzliche Proteine (wie Soja-, Lupinen- oder Erbsenprotein) haben oft einen starken Eigengeschmack, den nicht jeder mag. Um diesen zu überdecken, werden manchmal Aromen oder mehr Salz zugesetzt.
Der Vergleich: Eiweißbrot vs. Traditionelles Brot
- Traditionelles Handwerksbrot: Im Idealfall besteht es nur aus Mehl, Wasser, Salz und Hefe (oder Sauerteig). Es kommt komplett ohne Zusatzstoffe aus.
- Industrielles Standardbrot: Auch normales Supermarktbrot enthält oft Zusatzstoffe (Enzyme, Emulgatoren), um die Backzeit zu verkürzen, aber meist in geringerer Anzahl als Eiweißbrot.
- Eiweißbrot: Es ist ein hochverarbeitetes „Design-Food“. Um die chemischen Eigenschaften von Mehl zu imitieren, ist eine lange Zutatenliste meist unumgänglich.
Worauf man achten sollte:
Wenn Sie Eiweißbrot essen möchten, aber Zusatzstoffe vermeiden wollen:
- Zutatenliste lesen: Je kürzer, desto besser.
- Bio-Eiweißbrot: Im Bio-Bereich sind viele chemische Konservierungsstoffe und Emulgatoren verboten.
- Selber backen: Eiweißbrot lässt sich leicht aus Quark, Eiern, Kleie und Saaten selbst herstellen – ganz ohne Chemie.
- Fettgehalt beachten: Eiweißbrot hat oft 3- bis 10-mal so viel Fett wie herkömmliches Brot und dadurch oft sogar mehr Kalorien, obwohl es weniger Kohlenhydrate hat.
Fazit: Wer ein „natürliches“ Lebensmittel sucht, ist mit einem traditionellen Vollkorn-Sauerteigbrot meist besser bedient. Wer streng auf Kohlenhydrate achtet (Low Carb), nimmt beim Eiweißbrot die längere Zusatzstoffliste oft als Kompromiss in Kauf.