Aus welchem historischen Grund servierten Wirte früher ungefragt Senf zu jeder Mahlzeit, was zur Redewendung „seinen Senf dazugeben“ führte?

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Die Redewendung „seinen Senf dazugeben“ (im Sinne von: ungefragt die Meinung äußern) hat ihren Ursprung tatsächlich im Gastgewerbe des 17. Jahrhunderts.

Hier sind die historischen Hintergründe:

1. Senf als „Alleswürze“ und Statussymbol

Im 17. Jahrhundert galt Senf als ein besonders wertvolles, aber dennoch erschwingliches Gewürz. Es galt als gesund, appetitanregend und vor allem verdauungsfördernd. Da es damals noch nicht so viele verschiedene Saucen und Gewürze wie heute gab, wurde Senf als eine Art „Universalwürze“ betrachtet.

2. Die Unart der Wirte

Um ihren Gästen etwas Besonderes zu bieten und den Eindruck von Großzügigkeit und Qualität zu erwecken, begannen viele Wirte damit, zu absolut jedem Gericht Senf zu servieren – völlig ungefragt und unabhängig davon, ob der Senf geschmacklich überhaupt zum Essen passte (z. B. auch zu Süßspeisen oder feinen Fischgerichten).

Der Senf wurde also oft als überflüssige Beigabe empfunden, die den eigentlichen Geschmack des Essens eher störte als verbesserte.

3. Die Übertragung auf die Sprache

Die Gäste empfanden diesen ungefragten Senf oft als lästig oder unpassend. Dieses Verhalten der Wirte übertrug man im Laufe der Zeit auf Menschen, die zu einem Thema eine Meinung äußerten, nach der niemand gefragt hatte oder die inhaltlich nichts zur Sache beitrug.

  • Der Senf des Wirts = Eine unnötige Beigabe zum Essen.
  • Der Senf eines Sprechers = Eine unnötige Beigabe zu einem Gespräch.

Zusammenfassend:

Man gibt „seinen Senf dazu“, wenn man sich – genau wie der Wirt von früher – einmischt und etwas hinzufügt, das weder bestellt wurde noch wirklich zum „Hauptgang“ (dem eigentlichen Thema) passt.

Interessanter Nebeneffekt: Ein weiterer Grund für den exzessiven Senfgebrauch war damals oft, dass der scharfe Senf den Geschmack von Fleisch überdecken konnte, das nicht mehr ganz frisch war. Auch hier gibt es eine Parallele: Wer viel „Senf dazugibt“, versucht manchmal, von der eigentlichen Substanz (oder deren Fehlen) abzulenken.