Tutorial: Steuern richtig einrichten (How to set up taxes)
Das Thema Steuern (Taxes) ist für jeden Business-Starter, ob Online-Shop-Betreiber oder Freelancer, oft die größte Hürde. Dieses Tutorial führt dich schrittweise durch den Prozess – von den rechtlichen Grundlagen bis zur technischen Einrichtung in gängigen Systemen.
Hinweis: Dieses Tutorial dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Steuerberatung.
Schritt 1: Die rechtliche Basis schaffen
Bevor du in deiner Software auf "Speichern" klickst, musst du wissen, welchen steuerlichen Status du hast.
- Steuernummer & USt-IdNr.: Du benötigst eine Steuernummer von deinem Finanzamt. Wenn du grenzüberschreitend in der EU verkaufst, brauchst du zwingend eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.).
- Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG):
- Wenn dein Umsatz im Vorjahr < 22.500 € war und im laufenden Jahr < 50.000 € voraussichtlich nicht übersteigt, kannst du dich von der Umsatzsteuer befreien lassen.
- Konsequenz: Du weist keine MwSt. auf Rechnungen aus, darfst aber auch keine Vorsteuer abziehen.
- Regelbesteuerung: Du weist die normale MwSt. aus (in Deutschland meist 19 % oder 7 %).
Schritt 2: Steuern im E-Commerce einrichten (Beispiel Shopify/WooCommerce)
Die meisten modernen Systeme nehmen dir viel Arbeit ab, müssen aber korrekt gefüttert werden.
A. Shopify
- Gehe zu Einstellungen > Steuern und Zollpflichten.
- Regionen festlegen: Wähle die Länder aus, in die du verkaufst (z. B. Deutschland, EU, Weltweit).
- USt-IdNr. hinterlegen: Klicke auf "Europäische Union" und gib deine USt-IdNr. ein. Shopify berechnet dann automatisch die korrekten Steuersätze für die EU.
- Steuerberechnung: Aktiviere "Alle Preise inklusive Steuern anzeigen" (wichtig für B2C in Deutschland/EU wegen der Preisangabenverordnung).
B. WooCommerce (WordPress)
- Gehe zu WooCommerce > Einstellungen > Allgemein. Aktiviere das Häkchen bei "Steuersätze und Berechnungen aktivieren".
- Wechsle zum Tab Steuer.
- Steueroptionen:
- Preise eingeben inklusive Steuern? (Ja, für B2C).
- Steuer berechnen basierend auf: Lieferadresse des Kunden.
- Standardsätze: Gib unter "Standardraten" deine Sätze ein (Code: DE, Rate: 19, Name: MwSt).
Schritt 3: Sonderfall EU-Verkauf (OSS - One-Stop-Shop)
Seit 2021 gibt es eine wichtige Regel für den Verkauf an Privatpersonen in der EU:
- Die 10.000 € Schwelle: Wenn du insgesamt mehr als 10.000 € (netto) pro Jahr in andere EU-Länder verkaufst, musst du die Umsatzsteuer des Ziellandes berechnen (z. B. 21 % für Spanien).
- Lösung: Du registrierst dich beim Bundeszentralamt für Steuern für das OSS-Verfahren.
- In der Software: In Shopify/WooCommerce musst du dann die Option "OSS-Steuersätze" aktivieren, damit das System erkennt, woher der Kunde kommt und den lokalen Steuersatz anwendet.
Schritt 4: Steuern in der Buchhaltungssoftware (Lexoffice/SevDesk)
Deine Verkäufe müssen korrekt verbucht werden.
- Konto-Mapping: Verknüpfe deinen Shop mit deiner Buchhaltungssoftware (z. B. via Schnittstelle wie Billbee oder direkte Integration).
- Steuerschlüssel: Stelle sicher, dass die Software erkennt:
- 19 % USt (Normalfall)
- 0 % USt (Innergemeinschaftliche Lieferung / Reverse Charge bei B2B)
- 0 % USt (Kleinunternehmer)
Schritt 5: Die Rechnung (Pflichtangaben)
Damit deine "Tax Setup" rechtssicher ist, muss deine Rechnung folgende Informationen enthalten:
- Vollständiger Name und Anschrift von dir und dem Kunden.
- Deine Steuernummer oder USt-IdNr.
- Ausstellungsdatum und Rechnungsnummer.
- Zeitpunkt der Lieferung.
- Aufschlüsselung nach Steuersätzen (Netto, Steuersatz, Steuerbetrag, Brutto).
- Bei Kleinunternehmern: Ein Hinweis auf die Befreiung (z. B. "Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.")
Checkliste für dein Setup:
- [ ] Steuernummer/USt-IdNr. beim Finanzamt beantragt?
- [ ] Kleinunternehmer-Status geklärt?
- [ ] Steuersätze im Shop-System hinterlegt (19% / 7%)?
- [ ] Bruttopreise für Endkunden eingestellt?
- [ ] OSS-Verfahren geprüft (bei EU-Versand > 10k)?
- [ ] Rechnungs-Template auf Pflichtangaben geprüft?
Profi-Tipp:
Nutze Tools wie TaxJar (USA) oder Avalara, wenn du international skalierst. Für den deutschen Markt ist eine Kombination aus einem ordentlichen Shop-System und einer Buchhaltungssoftware wie Lexoffice meist völlig ausreichend.
Hast du eine spezifische Plattform (z.B. Etsy, Amazon, Wix), für die du eine Anleitung benötigst?