Primavera P6 Profi-Tricks: Die Berechnung des Start-to-Start (SS) Lags steuern
Hier ist ein detailliertes Tutorial auf Deutsch, das diese oft übersehene, aber extrem wichtige Einstellung in Primavera P6 erklärt.
In Primavera P6 gibt es eine entscheidende Einstellung in den Terminplanungsoptionen (Schedule Options), die beeinflusst, wie Verzögerungen (Lags) bei Start-to-Start (SS) Beziehungen berechnet werden, sobald ein Projekt fortgeschritten ist. Wenn Sie verstehen, wie diese Option funktioniert, vermeiden Sie unlogische Termine in Ihrem kritischen Pfad.
1. Wo findet man die Einstellung?
Um zu dieser Option zu gelangen, gehen Sie wie folgt vor:
- Öffnen Sie Ihr Projekt in Primavera P6.
- Drücken Sie die Taste F9 (oder gehen Sie auf Tools > Schedule).
- Klicken Sie im Dialogfenster auf die Schaltfläche Options.
- Bleiben Sie im Reiter General.
- Suchen Sie den Bereich: Calculate start-to-start lag from.
Hier haben Sie zwei Auswahlmöglichkeiten:
- Early Start (Frühester Start)
- Actual Start (Ist-Start)
2. Die beiden Optionen im Vergleich
Option A: Actual Start (Standardempfehlung)
Dies ist die praxisnahe Einstellung. P6 berechnet den Lag basierend auf dem Datum, an dem die Vorgängeraktivität tatsächlich begonnen hat.
- Logik: Wenn die Vorgängeraktivität (A) eine SS-Beziehung mit 5 Tagen Lag zu Aktivität (B) hat, beginnt die Berechnung der 5 Tage erst in dem Moment, in dem Sie für Aktivität A ein „Ist-Startdatum“ eingeben.
- Vorteil: Es spiegelt die Realität auf der Baustelle oder im Projekt wider. Wenn ich erst am Mittwoch anfange statt am Montag, kann mein Nachfolger auch erst 5 Tage nach Mittwoch starten.
Option B: Early Start
Hier berechnet P6 den Lag basierend auf dem berechneten „Frühesten Startdatum“, ungeachtet dessen, wann die Arbeit wirklich begonnen hat.
- Logik: Wenn Aktivität A laut Plan am Montag starten sollte, der Ist-Start aber erst am Donnerstag erfolgt, berechnet P6 den Lag von Aktivität B trotzdem ab dem theoretischen Montag (sofern dieser noch als Early Start gilt oder durch Constraints fixiert ist).
- Gefahr: Dies kann dazu führen, dass der Nachfolger (B) laut Plan starten müsste, bevor der Lag zum tatsächlichen Start des Vorgängers (A) abgelaufen ist.
3. Praxisbeispiel zur Verdeutlichung
Nehmen wir folgendes Szenario an:
- Vorgänger A: Dauer 10 Tage.
- Nachfolger B: SS-Beziehung zu A mit 5 Tagen Lag.
- Geplanter Start von A: 01. Oktober.
Fall: Der Start von A verzögert sich auf den 05. Oktober.
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Einstellung „Actual Start“: P6 rechnet: 05. Oktober (Ist-Start) + 5 Tage Lag = Start Nachfolger B am 10. Oktober. Ergebnis: Die Logik bleibt erhalten.
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Einstellung „Early Start“: P6 schaut auf das Datum, das im Netzplan als frühester Start für A steht. Wenn durch andere Logiken oder den ursprünglichen Plan der 01. Oktober noch als Basis dient, rechnet P6: 01. Oktober + 5 Tage Lag = Start Nachfolger B am 06. Oktober. Ergebnis: Obwohl A erst am 05. Oktober begonnen hat, soll B schon am nächsten Tag starten. Der beabsichtigte Puffer von 5 Tagen ist auf 1 Tag geschrumpft.
4. Welches ist die beste Einstellung?
In 95 % aller Fälle ist „Actual Start“ die richtige Wahl.
Warum? Die meisten Projektmanager nutzen SS-Lags, um eine technische Abhängigkeit darzustellen (z. B.: "Wir müssen 5 Tage Beton gießen, bevor wir mit der Bewehrung des nächsten Abschnitts beginnen können"). Diese 5 Tage hängen direkt davon ab, wann der erste Arbeiter den Betonmischer eingeschaltet hat – also vom Ist-Start.
Wann nutzt man „Early Start“? Diese Option wird manchmal in sehr starren, rein terminbasierten Planungen genutzt, bei denen der Nachfolger an ein festes Datum gebunden ist, egal wie spät der Vorgänger tatsächlich angefangen hat (was jedoch meistens der CPM-Logik widerspricht).
5. Zusammenfassung & Trick-Tipp
- Trick: Wenn sich Ihr Terminplan seltsam verhält und Nachfolger „nach vorne springen“, obwohl der Vorgänger verspätet ist, prüfen Sie sofort diese Option unter F9.
- Merksatz: Für einen realistischen Terminplan (Forecasting) sollte immer Actual Start gewählt werden.
- Wichtig: Diese Einstellung gilt global für das gesamte Projekt. Sie können sie nicht für einzelne Aktivitäten unterschiedlich festlegen.
Dieses Tutorial hilft Ihnen, die Kontrolle über Ihre SS-Verknüpfungen in Primavera P6 zu behalten und Fehlplanungen bei der Fortschreibung des Projekts zu vermeiden.