Tutorial: GRE-Tunnel-Konfiguration auf Cisco-Routern in Packet Tracer
Ein GRE-Tunnel (Generic Routing Encapsulation) ist ein Protokoll, das es ermöglicht, Datenpakete eines beliebigen Netzwerkprotokolls innerhalb von IP-Paketen zu kapseln. Dies wird häufig verwendet, um zwei getrennte Unternehmensstandorte über das öffentliche Internet sicher und transparent miteinander zu verbinden (häufig auch als Basis für IPsec-Verschlüsselung oder zur Übertragung von dynamischem Routing).
In diesem Tutorial lernst du Schritt für Schritt, wie du einen Site-to-Site GRE-Tunnel in Cisco Packet Tracer einrichtest.
1. Netzwerktopologie & Adressierungsplan
Wir bauen ein typisches Szenario auf: Zwei Standorte (Site-A und Site-B) sind über einen ISP (Internet-Router) verbunden. Zwischen Router 1 und Router 2 soll ein Tunnel geschaltet werden.
Topologie-Aufbau im Packet Tracer:
- Router: 3x Cisco 2911 (oder 1941) – benannt als
R1_SiteA,ISP,R2_SiteB - PCs: 2x Standard-PC –
PC1(Site A),PC2(Site B)
[PC1] --- (LAN A) --- [R1] ======= [ISP] ======= [R2] --- (LAN B) --- [PC2]
|| ||
╚════════ GRE-TUNNEL ════╝
IP-Adressierungsübersicht:
- Site A LAN:
192.168.10.0/24(PC1:.10, R1 G0/1:.1) - Site B LAN:
192.168.20.0/24(PC2:.10, R2 G0/1:.1) - WAN R1 zu ISP:
10.0.12.0/30(R1 G0/0:.1, ISP G0/0:.2) - WAN ISP zu R2:
10.0.23.0/30(ISP G0/1:.1, R2 G0/0:.2) - GRE-Tunnel-Netzwerk:
172.16.1.0/30(R1 Tunnel0:.1, R2 Tunnel0:.2)
2. Vorbereitung: Grundkonfiguration des Underlay-Netzwerks
Bevor ein GRE-Tunnel funktionieren kann, müssen sich die öffentlichen IPs der Router (die Tunnel-Endpunkte) gegenseitig erreichen können.
Auf dem ISP-Router:
Der ISP dient nur als Durchleitung im Internet.
Router> enable
Router# configure terminal
Router(config)# hostname ISP
ISP(config)# interface GigabitEthernet0/0
ISP(config-if)# ip address 10.0.12.2 255.255.255.252
ISP(config-if)# no shutdown
ISP(config-if)# exit
ISP(config)# interface GigabitEthernet0/1
ISP(config-if)# ip address 10.0.23.1 255.255.255.252
ISP(config-if)# no shutdown
ISP(config-if)# exit
Auf R1_SiteA:
Router> enable
Router# configure terminal
Router(config)# hostname R1
R1(config)# interface GigabitEthernet0/1
R1(config-if)# ip address 192.168.10.1 255.255.255.0
R1(config-if)# no shutdown
R1(config-if)# exit
R1(config)# interface GigabitEthernet0/0
R1(config-if)# ip address 10.0.12.1 255.255.255.252
R1(config-if)# no shutdown
R1(config-if)# exit
! Default-Route ins Internet (zum ISP)
R1(config)# ip route 0.0.0.0 0.0.0.0 10.0.12.2
Auf R2_SiteB:
Router> enable
Router# configure terminal
Router(config)# hostname R2
R2(config)# interface GigabitEthernet0/1
R2(config-if)# ip address 192.168.20.1 255.255.255.0
R2(config-if)# no shutdown
R2(config-if)# exit
R2(config)# interface GigabitEthernet0/0
R2(config-if)# ip address 10.0.23.2 255.255.255.252
R2(config-if)# no shutdown
R2(config-if)# exit
! Default-Route ins Internet (zum ISP)
R2(config)# ip route 0.0.0.0 0.0.0.0 10.0.23.1
Test: Führe einen Ping von
R1zu10.0.23.2(R2) durch. Erst wenn dieser Ping erfolgreich ist, kann der Tunnel aufgebaut werden!
3. Konfiguration des GRE-Tunnels
Jetzt konfigurieren wir das virtuelle Tunnel-Interface auf beiden Routern.
Auf R1_SiteA:
R1(config)# interface Tunnel0
R1(config-if)# ip address 172.16.1.1 255.255.255.252
R1(config-if)# tunnel source GigabitEthernet0/0
R1(config-if)# tunnel destination 10.0.23.2
R1(config-if)# tunnel mode gre ip
R1(config-if)# exit
Auf R2_SiteB:
R2(config)# interface Tunnel0
R2(config-if)# ip address 172.16.1.2 255.255.255.252
R2(config-if)# tunnel source GigabitEthernet0/0
R2(config-if)# tunnel destination 10.0.12.1
R2(config-if)# tunnel mode gre ip
R2(config-if)# exit
Hinweis: Der Befehl tunnel mode gre ip ist auf Cisco-Geräten Standard und wird oft in der Running-Config ausgeblendet, dient hier aber der Vollständigkeit.
4. Routing über den GRE-Tunnel einrichten
Damit die LAN-Netzwerke wissen, dass sie Daten über den Tunnel schicken müssen, konfigurieren wir statische Routen über die IP-Adresse des jeweiligen Tunnel-Gegenübers.
Auf R1_SiteA (Route zum LAN von Site B):
R1(config)# ip route 192.168.20.0 255.255.255.0 172.16.1.2
Auf R2_SiteB (Route zum LAN von Site A):
R2(config)# ip route 192.168.10.0 255.255.255.0 172.16.1.1
(Alternativ könnte hier auch ein dynamisches Routing-Protokoll wie OSPF oder EIGRP über den Tunnel aktiviert werden – ein großer Vorteil von GRE gegenüber reinem IPsec).
5. Endgeräte konfigurieren
Konfiguriere nun die PCs in den LANs:
-
PC1:
- IP-Adresse:
192.168.10.10 - Subnetzmaske:
255.255.255.0 - Standard-Gateway:
192.168.10.1
- IP-Adresse:
-
PC2:
- IP-Adresse:
192.168.20.10 - Subnetzmaske:
255.255.255.0 - Standard-Gateway:
192.168.20.1
- IP-Adresse:
6. Überprüfung und Test
1. Tunnel-Status prüfen
Gib auf R1 folgenden Befehl ein:
R1# show ip interface brief
Das Interface Tunnel0 sollte sowohl beim Status als auch beim Protokoll auf up / up stehen:
Interface IP-Address OK? Method Status Protocol
Tunnel0 172.16.1.1 YES manual up up
2. Ping-Test über den Tunnel
Pinge von PC1 den PC2 an:
- Öffne das Command Prompt auf PC1:
ping 192.168.20.10(Der erste oder zweite Ping kann durch ARP eine Zeitüberschreitung melden, danach sollten erfolgreiche Antworten kommen).
3. Paket-Inspektion im Simulationsmodus (Optional)
- Schalte im Packet Tracer unten rechts in den Simulation Mode.
- Sende einen Ping von PC1 zu PC2.
- Klicke auf das Paket, wenn es den Router
R1verlässt. - Im Event Viewer / PDU Information siehst du den neuen äußeren IP-Header mit den Absender-/Zieladressen des Internets (
10.0.12.1->10.0.23.2) und darin gekapselt den ursprünglichen IP-Header (192.168.10.10->192.168.20.10).
Der GRE-Tunnel ist damit erfolgreich eingerichtet und funktionsfähig!