Figma Flowchart Tutorial: Der vollständige Leitfaden zur Erstellung von Flussdiagrammen
Ein Flussdiagramm (Flow Chart) ist eines der mächtigsten Werkzeuge, um Prozesse, User Flows oder Systemarchitekturen visuell darzustellen. Obwohl Figma primär als UI/UX-Design-Tool bekannt ist, eignet es sich dank Auto-Layout, Komponenten und flexiblen Vektorwerkzeugen hervorragend für die Erstellung professioneller Diagramme.
In dieser Anleitung lernst du Schritt für Schritt, wie du ein sauberes, skalierbares und ansprechendes Flussdiagramm in Figma erstellst.
Schritt 1: Das Grundgerüst aufsetzen (Frame & Raster)
Bevor du Elemente platzierst, schaffe eine strukturierte Arbeitsfläche:
- Frame erstellen: Drücke die Taste
Fund ziehe einen ausreichend großen Frame auf (z. B. im Format Desktop oder eine benutzerdefinierte Größe). - Layout-Raster aktivieren: Wähle den Frame aus, klicke in der rechten Seitenleiste bei Layout Grid auf das Plus-Symbol (
+) und stelle ein Raster (Grid) von z. B. 8px oder 16px ein. Das hilft dir später, Abstände konsistent zu halten.
Schritt 2: Die Standardsymbole verstehen und zeichnen
Ein gutes Diagramm spricht eine universelle Sprache. Nutze für verschiedene Aktionen standardisierte Formen:
- Rechteck (
R): Ein standardmäßiger Prozessschritt oder eine Aktion. - Raute / Rhombus: Eine Entscheidung (Verzweigung, meist mit „Ja/Nein“-Ausgängen).
- Tipp: Zeichne ein Quadrat (
Rgedrückt halten mitShift) und rotiere es um 45 Grad.
- Tipp: Zeichne ein Quadrat (
- Pille / Abgerundetes Rechteck: Start- und Endpunkte des Prozesses.
- Parallelogramm: Input oder Output von Daten.
Schritt 3: Der Gamechanger – Auto Layout nutzen
Damit deine Textboxen automatisch mitwachsen, wenn sich der Text ändert, solltest du Auto Layout verwenden:
- Wähle das Textwerkzeug (
T) und schreibe eine Aktion (z. B. „Konto erstellen“). - Klicke mit der rechten Maustaste auf den Text und wähle Add Auto Layout (oder nutze das Tastenkürzel
Shift + A). - Gib dem neuen Frame in der rechten Leiste eine Hintergrundfarbe (Fill), runde die Ecken ab (Corner Radius) und stelle ein gleichmäßiges Innenpolster (Padding) ein.
- Der Vorteil: Wenn du den Text nun bearbeitest, passt sich die Form dynamisch an.
Schritt 4: Formen mit Verbindungslinien verknüpfen
Um die Reihenfolge der Schritte darzustellen, benötigst du Pfade und Pfeile:
- Linienwerkzeug: Drücke
Lfür eine einfache Linie oderShift + Ldirekt für das Pfeil-Werkzeug (Arrow Tool). - Endpunkte anpassen: Wähle eine Linie aus. Im rechten Bereich unter Stroke kannst du das Linienende von einem einfachen Strich zu einer Pfeilspitze ändern.
- Pfeile beschriften: Wenn du Verzweigungen hast (z. B. nach einer Entscheidungsraute), platziere ein kleines Textfeld mit „Ja“ oder „Nein“ direkt über oder neben die Linie.
Tipp für Fortgeschrittene: Nutze das Plugin Autoflow. Damit klickst du einfach zwei Formen nacheinander an, und Figma verbindet sie automatisch mit einer perfekten Linie inklusive Pfeil.
Schritt 5: Visuelle Hierarchie und Farbcodierung
Ein gutes Diagramm ist auf den ersten Blick verständlich. Nutze Farben sparsam, aber bedeutungsvoll:
- Grün: Startpunkte oder erfolgreiche Pfade (z. B. „Zahlung erfolgreich“).
- Rot / Orange: Fehler, Abbrüche oder Warnungen (z. B. „Passwort falsch“).
- Blau / Grau: Neutrale Standardprozesse.
- Linienstile: Nutze durchgezogene Linien für den Hauptpfad und gestrichelte Linien (einstellbar unter Stroke > Advanced stroke settings > Dash) für optionale Pfade oder System-Rückmeldungen.
Schritt 6: Skalierbarkeit durch Komponenten
Wenn du komplexe Diagramme planst, solltest du deine Formen in Komponenten umwandeln:
- Erstelle die Basis-Formen (Start, Prozess, Entscheidung, Ende).
- Wähle eine Form aus und klicke oben in der Werkzeugleiste auf das Komponenten-Symbol (Create Component bzw.
Strg + Alt + K/Cmd + Option + K). - Nutze nun Instanzen (Kopien) dieser Komponenten für dein Diagramm.
- Der Vorteil: Wenn du später entscheidest, dass alle Entscheidungsknoten gelb statt grau sein sollen, änderst du einfach die Hauptkomponente, und das gesamte Diagramm aktualisiert sich automatisch.
Alternative: Wann lohnt sich FigJam?
Figma bietet neben der reinen Design-Umgebung auch das Whiteboard-Tool FigJam an:
- FigJam hat native, magnetische Verbindungslinien, vorgefertigte Flowchart-Shapes und eignet sich perfekt für schnelles Brainstorming und Team-Kollaboration.
- Figma Design bietet dir hingegen 100 % visuelle Kontrolle, exakte Pixel-Ausrichtung, Auto-Layout und die direkte Integration in deine UI-Design-Systeme.
Checkliste für dein fertiges Flussdiagramm:
- [ ] Gibt es einen eindeutigen Start- und Endpunkt?
- [ ] Zeigen alle Pfeile in eine logische Leserichtung (meist von links nach rechts oder von oben nach unten)?
- [ ] Sind alle Entscheidungspfade (Ja/Nein) eindeutig beschriftet?
- [ ] Sind die Abstände zwischen den Elementen einheitlich?
- [ ] Ist der Text kurz, prägnant und im Imperativ formuliert (z. B. „E-Mail eingeben“ statt „Der Nutzer gibt seine E-Mail ein“)?