Zerstört die Nutzung von Feuchttüchern den natürlichen Schutzfilm der Haut?
Die kurze Antwort lautet: Ja, bei häufiger und dauerhafter Anwendung können Feuchttücher den natürlichen Schutzfilm der Haut stören oder sogar zerstören.
Hier ist die detaillierte Erklärung, warum das so ist und worauf man achten sollte:
1. Der Säureschutzmantel der Haut
Unsere Haut ist von einem Hydrolipidfilm (dem Säureschutzmantel) überzogen. Dieser hat einen leicht sauren pH-Wert (ca. 5,5) und besteht aus einer Mischung aus Talg, Schweiß und abgestorbenen Hautzellen. Er schützt vor Austrocknung, Bakterien und Pilzen.
2. Warum Feuchttücher problematisch sein können
Feuchttücher sind darauf ausgelegt, Verschmutzungen (insbesondere fetthaltige Rückstände) schnell und ohne Abspülen zu lösen. Das bringt mehrere Probleme mit sich:
- Tenside (Reinigungssubstanzen): Um Schmutz zu lösen, enthalten Feuchttücher Tenside. Diese unterscheiden jedoch nicht zwischen "Schmutz" und den gesunden, körpereigenen Hautfetten. Sie lösen die schützenden Lipide aus der Hautbarriere heraus.
- Kein Abspülen: Im Gegensatz zum Waschen mit Wasser und Seife bleiben die Inhaltsstoffe der Feuchttücher (einschließlich der gelösten Schmutzpartikel und Reinigungsmittel) auf der Haut zurück und können dort über Stunden einwirken.
- Konservierungsstoffe: Da Feuchttücher feucht in einer Plastikpackung liegen, müssen sie stark konserviert werden, damit sie nicht schimmeln. Stoffe wie Parabene oder Methylisothiazolinon können Allergien auslösen und die Haut reizen.
- Alkohol und Duftstoffe: Viele Tücher enthalten Alkohol (zur Reinigung/Desinfektion), der die Haut extrem austrocknet, sowie Parfüm, das das Allergierisiko erhöht.
- Mechanische Reibung: Das Wischen mit dem Vlies übt einen mechanischen Reiz aus, der bei empfindlicher Haut zu Mikroverletzungen führen kann.
3. Besonders kritische Bereiche
- Der Intimbereich: Die Haut und Schleimhaut im Intimbereich ist besonders empfindlich. Feuchttücher können hier das natürliche Gleichgewicht (pH-Wert) massiv stören, was Infektionen, Pilzerkrankungen oder chronische Reizungen (Ekzeme) begünstigen kann.
- Babyhaut: Die Haut von Säuglingen ist viel dünner als die von Erwachsenen und die Barrierefunktion ist noch nicht voll entwickelt. Chemikalien aus Feuchttüchern ziehen schneller ein und können zu "Windeldermatitis" führen.
- Das Gesicht: Werden Feuchttücher täglich zum Abschminken genutzt, kann die Haut mit Rötungen, Trockenheit oder Unreinheiten reagieren, da der Schutzfilm ständig entfernt wird.
4. Empfehlungen: Wie macht man es besser?
- Wasser und Öl: Die schonendste Reinigung (auch für Babys) ist warmes Wasser und ein weicher Waschlappen. Bei hartnäckigem Schmutz hilft ein Tropfen Mandel- oder Olivenöl.
- Nur im Notfall: Feuchttücher sollten eine Ausnahme für unterwegs sein, nicht die Standardlösung für zu Hause.
- Auf Inhaltsstoffe achten: Wenn Feuchttücher nötig sind, wählen Sie Produkte, die:
- "parfümfrei" sind.
- keinen Alkohol enthalten.
- "pH-hautneutral" (5,5) sind.
- möglichst wenig Inhaltsstoffe haben (es gibt Tücher, die zu 99% aus Wasser bestehen).
- Trocken tupfen: Nach der Benutzung von feuchtem Toilettenpapier oder Reinigungstüchern sollte die Haut vorsichtig mit einem trockenen Tuch nachgetupft werden, um die Feuchtigkeit (die die Haut aufquellen lässt) zu entfernen.
Fazit: Gelegentliches Nutzen von Feuchttüchern ist für gesunde Haut meist kein Problem. Die dauerhafte tägliche Anwendung zerstört jedoch die Barrierefunktion, macht die Haut anfällig für Reizungen und trocknet sie aus.