Woran erkennt man die maximale zulässige Tragkraft eines spezifischen Winkelverbinders?

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Die maximale Tragkraft eines Winkelverbinders lässt sich nicht einfach durch bloßes Ansehen am Bauteil ablesen (da dort meist keine Kilogramm-Zahl eingeprägt ist). Um die zulässigen Lasten zu bestimmen, müssen Sie technische Dokumente heranziehen und bestimmte Merkmale prüfen.

Hier sind die wichtigsten Wege, um die Tragkraft zu ermitteln:

1. Das technische Datenblatt (Wichtigste Quelle)

Jeder seriöse Hersteller (z. B. Simpson Strong-Tie, GH, P調l) stellt technische Datenblätter online zur Verfügung. Dort finden Sie Tabellen, die genau angeben, wie viel Kilonewton (kN) der Winkel halten kann.

  • Wichtig: Achten Sie auf den Unterschied zwischen charakteristischen Werten (Rohwerte) und Bemessungswerten (bereits inklusive Sicherheitsfaktoren).
  • Umrechnungshilfe: 1 kN entspricht grob einer Gewichtskraft von 100 kg.

2. Die ETA (Europäische Technische Bewertung)

Bauaufsichtlich zugelassene Winkelverbinder haben eine ETA-Nummer. Diese Nummer ist oft auf den Winkel geprägt oder auf der Verpackung aufgedruckt.

  • In der zugehörigen ETA-Urkunde ist detailliert festgelegt, unter welchen Bedingungen (Holzart, Schraubentyp) der Winkel welche Lasten aufnehmen darf.
  • Winkel ohne CE-Kennzeichnung oder ETA sollten im konstruktiven Ingenieurbau (z. B. Dachstühle) nicht verwendet werden.

3. Lastrichtungen ($F_1$ bis $F_5$)

Ein Winkel hat nicht eine Tragkraft, sondern unterschiedliche Werte je nach Belastungsrichtung:

  • $F_1$: Zugkraft (der Winkel wird aufgebogen).
  • $F_{2/3}$: Querkraft (Verschieben des Balkens zur Seite).
  • $F_{4/5}$: Scherkraft (Druck in Richtung der Fläche). Ein Winkel kann beispielsweise 500 kg Zugkraft aushalten, aber nur 200 kg Querkraft.

4. Art der Befestigung (Nagelung/Verschraubung)

Die Tragkraft im Datenblatt gilt nur, wenn das vorgeschriebene Befestigungsmittel verwendet wird.

  • Ankernägel (Kammnägel): Standard für Holzverbinder.
  • Verschraubung: Nur mit speziellen Holzverbinderschrauben zulässig. Normale Senkkopfschrauben sind nicht erlaubt, da sie den Stahl des Winkels beschädigen können und weniger Abscherwiderstand leisten.
  • Vollausnagelung vs. Teilausnagelung: Die Tragkraft sinkt erheblich, wenn nicht alle Löcher belegt werden.

5. Geometrische Merkmale (Anhaltspunkte für die Stabilität)

Wenn Sie kein Datenblatt haben, geben diese Merkmale Hinweise auf die Belastbarkeit:

  • Materialstärke: Standardwinkel haben oft 2,0 mm oder 2,5 mm. Schwere Verbinder haben 3,0 mm bis 4,0 mm Stahlstärke.
  • Die Sicke (Verstärkungsrippe): Ein Winkel mit einer eingeprägten Sicke (einer Wölbung im Knick) ist deutlich biegesteifer gegenüber Zugkräften ($F_1$) als ein flacher Winkel.
  • Schenkelmaße: Je länger der Schenkel, desto mehr Nägel haben Platz, was die Kraftübertragung erhöht.

6. Prägung auf dem Metall

Suchen Sie nach folgenden Zeichen auf dem Winkel:

  • Herstellerlogo: Hilft beim Finden des Datenblatts.
  • CE-Zeichen: Belegt, dass das Produkt nach europäischen Normen geprüft wurde.
  • Chargennummer/Typenbezeichnung: (z.B. "AB70" oder "90x90x2").

Zusammenfassung: Um die exakte Tragkraft zu wissen, suchen Sie die Prägung des Herstellers auf dem Winkel, laden Sie dessen Technisches Datenblatt herunter und prüfen Sie die Werte für Ihre spezifische Lastrichtung unter Berücksichtigung der verwendeten Nägel/Schrauben.

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