Wie wird Apfelsaft industriell hergestellt?

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Die industrielle Herstellung von Apfelsaft ist ein hochautomatisierter Prozess, der darauf optimiert ist, eine gleichbleibende Qualität und Haltbarkeit zu gewährleisten. Man unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen Direktsaft und Fruchtsaft aus Konzentrat.

Hier sind die einzelnen Schritte des Prozesses:

1. Anlieferung und Reinigung

Zuerst werden die Äpfel (meist spezielles Mostobst) in die Fabrik geliefert.

  • Waschen: Die Äpfel werden in Wasserbädern oder durch Sprühanlagen gründlich von Schmutz, Blättern und Steinen gereinigt.
  • Sortieren: Schadhafte oder faule Früchte werden aussortiert (oft per Hand oder durch optische Sensoren), um die Qualität des Saftes nicht zu beeinträchtigen.

2. Mahlen (Maischen)

Die sauberen Äpfel werden in einer Mühle (meist eine Rätzmühle) zerkleinert. Dabei entsteht die sogenannte Maische. Das Ziel ist es, die Zellstrukturen der Äpfel aufzubrechen, damit der Saft im nächsten Schritt leichter austreten kann.

3. Pressen

Die Maische wird nun gepresst, um den Saft vom Fruchtfleisch zu trennen.

  • In der Industrie kommen meist Bandpressen oder Horizontalpressen zum Einsatz, die mit hohem Druck arbeiten.
  • Der Rückstand aus Schalen und Kernen wird Trester genannt. Dieser wird oft als Tierfutter oder zur Gewinnung von Pektin weiterverwendet.

4. Klärung (Optional)

Nach dem Pressen ist der Saft zunächst naturtrüb. Er enthält noch Schwebstoffe (Fruchtfleischpartikel und Pektine).

  • Naturtrüber Saft: Er wird nur kurz zentrifugiert, um grobe Partikel zu entfernen, bleibt aber ansonsten weitgehend unbehandelt.
  • Klarer Saft: Um klaren Saft zu erhalten, werden Enzyme (Pektinasen) zugesetzt, die das Pektin abbauen. Anschließend wird der Saft gefiltert (z. B. durch Ultrafiltration), bis er vollkommen transparent ist.

5. Haltbarmachung (Pasteurisierung)

Damit der Saft nicht gärt und schädliche Keime abgetötet werden, wird er kurzzeitig auf ca. 80–90 °C erhitzt. Diese Pasteurisierung macht den Saft ohne Konservierungsstoffe haltbar, schont aber weitgehend die Vitamine und das Aroma.


6. Besonderheit: Konzentrat vs. Direktsaft

An dieser Stelle teilt sich der Weg je nach Produktart:

  • Direktsaft: Der Saft wird nach der Pasteurisierung direkt in Flaschen oder Kartons abgefüllt oder in großen sterilen Tanks gelagert. Er besteht zu 100 % aus dem gepressten Saft.
  • Apfelsaft aus Konzentrat:
    1. Dem Saft werden unter Vakuum bei niedrigen Temperaturen das Wasser und die fruchteigenen Aromen entzogen.
    2. Es entsteht ein dickflüssiges Konzentrat (nur noch ca. 1/6 des ursprünglichen Volumens), das kostengünstig transportiert und gelagert werden kann.
    3. Vor der Abfüllung wird das Konzentrat wieder mit der exakt gleichen Menge Wasser und dem zuvor entzogenen Aroma gemischt („rückverdünnt“).

7. Abfüllung

Der fertige Saft (egal ob Direktsaft oder rückverdünntes Konzentrat) wird unter sterilen (aseptischen) Bedingungen in Verkaufsverpackungen abgefüllt:

  • Glasflaschen
  • PET-Flaschen
  • Getränkekartons (Tetra Pak)

Zusammenfassung: Was ist der Unterschied im Regal?

  • Naturtrüb: Enthält noch wertvolle Pflanzenstoffe (Polyphenole), schmeckt oft "apfeliger".
  • Klar: Gefiltert, oft für Schorlen bevorzugt.
  • Direktsaft: Schonender verarbeitet, da der Schritt der Konzentrierung fehlt.
  • Konzentrat: Oft günstiger, da Logistik- und Lagerkosten geringer sind. Geschmacklich durch die Rückverdünnung heute kaum noch von Direktsaft zu unterscheiden.