Wie vermeidet man Druckschmerzen im Gehörgang beim Tragen von Gehörschutz-Stöpseln?
Druckschmerzen im Gehörgang sind ein häufiges Problem, besonders wenn Gehörschutz über längere Zeit getragen wird. Sie entstehen meist durch eine falsche Passform, zu harten Schaumstoff oder eine falsche Einsetztechnik.
Hier sind die effektivsten Strategien, um Schmerzen zu vermeiden:
1. Die richtige Größe wählen
Gehörgänge sind so individuell wie Fingerabdrücke. Viele Standard-Stöpsel sind für Menschen mit engen Gehörgängen zu groß.
- Probierpackungen: Viele Hersteller bieten „Small“-Varianten oder Entdecker-Pakete mit verschiedenen Größen an.
- Anzeichen für zu große Stöpsel: Wenn der Stöpsel nach dem Einsetzen schnell wieder herausrutscht oder ein starkes Spannungsgefühl verursacht, ist er zu groß.
2. Die richtige Einsetztechnik (bei Schaumstoffstöpseln)
Oft entstehen Schmerzen, weil der Stöpsel nicht tief genug oder verkantet sitzt.
- Rollen: Den Stöpsel zwischen den Fingern zu einer ganz dünnen, glatten Wurst rollen (nicht falten!).
- Ohr langziehen: Mit der anderen Hand die Ohrmuschel nach oben und hinten ziehen. Das begradigt den Gehörgang.
- Geduld: Den Stöpsel einführen und ca. 30–60 Sekunden mit dem Finger fixieren, bis er sich vollständig ausgedehnt hat. Wenn er sich im Gehörgang entfaltet, passt er sich der Form an, statt punktuellen Druck auszuüben.
3. Material wechseln
Wenn Schaumstoff (Polyurethan) drückt, liegt das oft an der hohen „Rückstellkraft“ (der Stöpsel will sich mit Gewalt ausdehnen).
- Silikon-Lamellen-Stecker: Diese haben oft Filter und sitzen lockerer. Sie eignen sich gut, wenn man nicht die maximale Dämmung benötigt.
- Wachs oder Silikon-Knete: Diese werden nicht in den Gehörgang geschoben, sondern nur darüber gelegt (vor den Gehörgang). Sie verursachen gar keinen Druck im Inneren.
- Weichere Schaumstoffe: Es gibt spezielle „Soft“-Modelle, die weniger Druck auf die Wände des Gehörgangs ausüben.
4. Otoplastiken (Maßanfertigung)
Wenn Sie beruflich oder jede Nacht Gehörschutz tragen, ist eine individuelle Anpassung beim Hörakustiker die beste Lösung.
- Dabei wird ein Abdruck Ihres Ohres gemacht.
- Diese Stöpsel (Otoplastiken) bestehen aus weichem Silikon oder hartem Acryl und sitzen perfekt ohne jeglichen Druck, da sie exakt die Form Ihres Gehörgangs haben.
5. Hygiene und Feuchtigkeit
- Trockenheit: Schweiß oder Feuchtigkeit im Ohr können die Haut aufweichen und reizen, was zu Schmerzen führt. Lassen Sie die Ohren nach dem Duschen gut trocknen, bevor Sie Stöpsel einsetzen.
- Reinigung: Einwegstöpsel sollten nicht mehrfach verwendet werden, da sie verhärten und Keime ansammeln. Mehrwegstöpsel täglich mit milder Seife reinigen.
- Ohrenschmalz: Stöpsel können Ohrenschmalz tief in den Gehörgang drücken (Pfropfbildung), was schmerzhaften Druck verursacht. Lassen Sie Ihre Ohren ggf. professionell beim HNO-Arzt reinigen.
6. Vorsichtiges Herausnehmen
Schmerzen entstehen oft erst beim Entfernen durch ein entstehendes Vakuum.
- Nicht ruckartig ziehen! Drehen Sie den Stöpsel langsam heraus, um den Unterdruck sanft auszugleichen.
7. Eingewöhnungszeit
Wenn Sie neu anfangen, Gehörschutz zu tragen, fangen Sie mit 1–2 Stunden an und steigern Sie die Dauer. Die Haut im Gehörgang ist sehr empfindlich und muss sich erst an den Fremdkörper gewöhnen.
Wann zum Arzt? Falls das Ohr juckt, flüssiges Sekret austritt oder der Schmerz auch ohne Stöpsel bestehen bleibt, könnte eine Gehörgangsentzündung vorliegen. In diesem Fall sollten Sie den Gehörschutz weglassen und einen HNO-Arzt aufsuchen.