Wie vermeidet man das Beschädigen des Gewindes durch das schiefe Ansetzen einer Mutter beim Aufschrauben?
Das Beschädigen eines Gewindes durch schiefes Ansetzen (im Fachjargon auch „Verkanten“ oder „Cross-Threading“ genannt) ist ärgerlich und kann teure Reparaturen nach sich ziehen.
Hier sind die effektivsten Methoden und Tipps, um das Gewinde zu schützen:
1. Die wichtigste Methode: Der „Linksdreh-Trick“
Dies ist die sicherste Methode, um sicherzustellen, dass die Gewindegänge perfekt ineinandergreifen:
- Setzen Sie die Mutter locker auf den Bolzen auf.
- Anstatt sie sofort festzuschrauben, drehen Sie die Mutter langsam nach links (gegen den Uhrzeigersinn), als ob Sie sie abschrauben wollten.
- Üben Sie dabei leichten Druck nach unten aus.
- Warten Sie auf ein spürbares „Klicken“ oder ein leichtes Absacken der Mutter. Das ist das Zeichen, dass der Anfang des Mutterngewindes über den Anfang des Bolzengewindes gesprungen ist und beide nun perfekt ausgerichtet sind.
- Erst jetzt drehen Sie die Mutter nach rechts (im Uhrzeigersinn) fest.
2. Nur mit der Hand ansetzen
Benutzen Sie für die ersten zwei bis drei Umdrehungen niemals ein Werkzeug (Schraubenschlüssel, Ratsche oder gar einen Schlagschrauber).
- Wenn Sie die Mutter mit den Fingern drehen, spüren Sie sofort einen Widerstand, falls sie schief sitzt.
- Mit einem Werkzeug ist die Hebelwirkung so groß, dass Sie den Widerstand des verkanteten Gewindes kaum spüren und die feinen Gewindegänge sofort zerdrücken.
3. Die Ausrichtung prüfen
Achten Sie darauf, dass die Mutter und der Bolzen in einer Flucht liegen:
- Schauen Sie von der Seite: Steht die Mutter im 90-Grad-Winkel zum Bolzen?
- Wackeln Sie leicht an der Mutter, während Sie sie ansetzen, damit sie sich selbst zentrieren kann.
4. Gewinde reinigen und prüfen
Schmutz, Rost oder Metallspäne können dazu führen, dass die Mutter schwergängig ist, was Sie fälschlicherweise als Verkanten interpretieren könnten (oder umgekehrt).
- Reinigen Sie das Gewinde mit einer Drahtbürste oder Druckluft.
- Prüfen Sie, ob die Gewindegänge des Bolzens beschädigt sind (z. B. durch einen Schlag). Ein beschädigter erster Gang muss eventuell mit einer Feile oder einem Gewindenachschneider korrigiert werden.
5. Ein Tropfen Öl (falls zulässig)
Ein Tropfen Universalöl oder Kriechöl verringert die Reibung. Dadurch spüren Sie besser, ob die Mutter sauber läuft oder ob mechanischer Widerstand durch Schiefstand entsteht.
- Hinweis: Achten Sie darauf, ob für die jeweilige Verschraubung Drehmomentvorgaben gelten, die nur für „trockene“ Gewinde bestimmt sind.
6. Bei schwer zugänglichen Stellen: Die Verlängerung
Wenn Sie die Mutter mit den Fingern nicht erreichen können:
- Stecken Sie die Mutter in eine passende Stecknuss (Nuss), aber benutzen Sie keine Ratsche. Drehen Sie nur an der Verlängerung der Nuss mit der Hand. So behalten Sie das Gefühl in den Fingerspitzen.
- Alternativ kann ein Stück Schlauch helfen, das auf die Mutter gesteckt wird, um sie flexibel anzusetzen.
Zusammenfassung:
Wenn es beim Drehen mit der Hand nach einer halben Umdrehung schwergeht: Sofort stoppen, zurückdrehen und neu ansetzen. Eine korrekt angesetzte Mutter lässt sich fast immer ohne Kraftaufwand mehrere Umdrehungen weit aufschrauben.