Wie sicher sind Drohnen gegen das Hacken der Funkverbindung oder Daten-Diebstahl?

Melden

Die Sicherheit von Drohnen gegen Hacking und Datendiebstahl ist ein komplexes Thema, da sie von der Kategorie der Drohne (Hobby, Profi, Militär) und den verwendeten Protokollen abhängt.

Man kann das Risiko in drei Hauptbereiche unterteilen:

1. Übernahme der Steuerung (Funkverbindung)

Hier geht es darum, dass ein Angreifer die Kontrolle über die Drohne übernimmt oder sie zum Absturz bringt.

  • Signal Jamming (Stören): Dies ist die einfachste Form. Ein Angreifer sendet auf den gleichen Frequenzen (meist 2,4 GHz oder 5,8 GHz) starkes Rauschen. Die Drohne verliert die Verbindung zum Piloten und leitet meist ein „Return to Home“ (RTH) ein. Sicherheitsstatus: Relativ einfach durchzuführen, aber kein "Hacking" im klassischen Sinne.
  • GPS Spoofing: Hierbei werden der Drohne gefälschte GPS-Signale vorgespielt. Die Drohne glaubt, sie sei woanders, und korrigiert ihre Position falsch, was zu Kollisionen oder Entführungen führen kann. Sicherheitsstatus: Technisch anspruchsvoll, aber bei vielen zivilen Drohnen möglich.
  • Command Injection (Übernahme): Wenn die Funkverbindung nicht verschlüsselt ist, kann ein Angreifer eigene Steuerbefehle senden. Moderne Drohnen (wie von DJI oder Autel) nutzen jedoch proprietäre Protokolle mit AES-Verschlüsselung, was eine Übernahme während des Flugs extrem schwierig macht.

2. Diebstahl von Daten (Video- & Telemetrie-Stream)

Dabei geht es darum, das Live-Bild der Kamera abzugreifen oder Flugprotokolle auszulesen.

  • Unverschlüsselte Video-Feeds: Günstige Spielzeug-Drohnen oder ältere Modelle senden das Bild oft unverschlüsselt über WLAN. Jeder mit einem Smartphone und der richtigen App kann in der Nähe mitschauen.
  • Professionelle Systeme: Systeme wie DJIs OcuSync verschlüsseln den Stream. Ein Abgreifen des Bildes aus der Luft ist ohne den passenden Schlüssel nach heutigem Stand der Technik fast unmöglich.
  • Physischer Zugriff: Wenn die Drohne abstürzt oder abgefangen wird, sind die Daten auf der SD-Karte meist ungeschützt, sofern sie nicht vorab verschlüsselt wurden (was nur sehr wenige Enterprise-Modelle unterstützen).

3. Datensicherheit und Cloud (Hersteller-Ebene)

Das ist das aktuell am stärksten diskutierte Thema, insbesondere bei chinesischen Herstellern wie DJI.

  • Server-Uploads: Viele Drohnen-Apps synchronisieren Fluglogs, Fotos und Videos automatisch mit den Servern der Hersteller. Es besteht das Risiko, dass sensible Standortdaten oder Bildaufnahmen in Länder abfließen, deren Datenschutzstandards nicht den europäischen entsprechen.
  • Local Data Mode: Als Reaktion auf Spionagevorwürfe haben viele Hersteller einen „Local Data Mode“ eingeführt. Dabei wird die Internetverbindung der App komplett gekappt, sodass keine Daten nach außen dringen können.

Wer ist wie sicher?

  1. Billig-Drohnen (WLAN-basiert): Sehr unsicher. Oft keine Verschlüsselung, leicht zu stören oder zu manipulieren.
  2. Consumer-Drohnen (DJI, Autel, Parrot): Relativ sicher gegen Live-Hacking. Die Funkverbindungen sind stark verschlüsselt. Das größte Risiko ist hier der ungewollte Datenabfluss über die App des Herstellers.
  3. Enterprise- & Militär-Drohnen: Hochsicher. Diese nutzen oft Funkfrequenzen jenseits der Standardbänder, nutzen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Daten und speichern Informationen oft nur lokal in verschlüsselten Containern.

Wie kann man sich schützen?

  • Firmware-Updates: Hersteller schließen regelmäßig Sicherheitslücken.
  • Local Data Mode nutzen: Wenn du sensible Infrastruktur filmst, trenne die App vom Internet.
  • Controller mit integriertem Display: Diese sind oft sicherer als die Kombination aus Smartphone + Fernsteuerung, da weniger Drittanbieter-Apps und Hintergrundprozesse laufen.
  • GPS-Verlust-Training: Lerne, die Drohne im "ATTI-Modus" (ohne GPS) zu fliegen, falls ein Spoofing-Angriff erfolgt.

Fazit: Für den normalen Hobby-Piloten ist das Risiko, gehackt zu werden, extrem gering. Das größere Risiko ist der Datenschutz der Flugdaten, die über die Apps der Hersteller verarbeitet werden. Im professionellen Bereich (Industrieinspektion, Behörden) ist eine bewusste Wahl der Hardware und des Betriebsmodus (offline) zwingend erforderlich.

0