Wie lässt sich verhindern, dass beim Streichen von vertikalen Flächen mit Buntlack unschöne „Läufer“ oder „Nasen“ entstehen?

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Das Entstehen von „Läufern“ oder „Nasen“ ist beim Lackieren vertikaler Flächen die größte Herausforderung. Es passiert immer dann, wenn zu viel Material aufgetragen wurde und die Schwerkraft den Lack nach unten zieht, bevor er antrocknen kann.

Hier sind die wichtigsten Strategien und Techniken, um das zu verhindern:

1. Die richtige Vorbereitung der Oberfläche

Ein glatter Untergrund ist wichtig, aber er darf nicht „rutschig“ sein.

  • Anschleifen: Schleifen Sie die Fläche fein an (Körnung 180–240). Das gibt dem Lack mechanischen Halt („Grip“), sodass er weniger schnell abrutscht.
  • Entfetten: Staub, Fett oder Fingerabdrücke verhindern die Haftung und führen dazu, dass der Lack sich zusammenzieht und Läufer bildet. Nutzen Sie Silikonentferner oder Anlauger.

2. Die „Weniger-ist-mehr“-Regel

Der häufigste Fehler ist, eine deckende Schicht in einem Durchgang erzwingen zu wollen.

  • Dünne Schichten: Tragen Sie lieber zwei oder drei sehr dünne Schichten auf als eine dicke.
  • Richtig abstreifen: Tauchen Sie den Pinsel oder die Rolle nur ein Stück weit ein und streifen Sie überschüssigen Lack gründlich am Abstreifgitter oder der Dose ab.

3. Die richtige Technik: Der „Kreuzgang“

Dies ist die Standardtechnik für gleichmäßige Flächen ohne Läufer:

  1. Auftragen (Vertikal): Den Lack zuerst in senkrechten Bahnen zügig aufbringen.
  2. Verteilen (Horizontal): Sofort danach ohne erneute Lackaufnahme quer (horizontal) darüberrollen oder streichen, um das Material zu verteilen.
  3. Verschlichten (Vertikal): Zum Schluss ganz leicht und ohne Druck noch einmal von oben nach unten über die Fläche gehen, um eine gleichmäßige Struktur zu erzeugen.

4. Kanten-Management

Läufer entstehen oft an Kanten, weil sich dort überschüssiger Lack sammelt.

  • Von der Kante weg arbeiten: Streichen Sie mit dem Pinsel oder der Rolle immer von der Kante weg zur Mitte der Fläche hin, niemals über die Kante hinaus „ins Leere“, da das Werkzeug dort den Lack abstreift und eine dicke Wulst hinterlässt.
  • Kanten im Blick behalten: Kontrollieren Sie Kanten und Ecken 5 bis 10 Minuten nach dem Auftrag erneut. Wenn sich dort ein Tropfen bildet, können Sie ihn jetzt noch vorsichtig mit einem fast trockenen Pinsel wegholen.

5. Das richtige Werkzeug

  • Lackierwalzen: Für Buntlack auf großen Flächen eignen sich feinporige Schaumstoffwalzen (für Lösemittellacke) oder kurzflorige Filz-/Microfaserwalzen (für Wasserlacke). Sie geben den Lack gleichmäßiger ab als ein Pinsel.
  • Pinselqualität: Nutzen Sie hochwertige Pinsel mit Kunstharzborsten (für wasserbasierte Lacke) oder Chinaborsten (für lösemittelhaltige Lacke). Billige Pinsel halten den Lack schlecht und geben ihn unkontrolliert ab.

6. Die Umgebungstemperatur

  • Nicht zu kalt: Bei Kälte trocknet der Lack langsamer, was ihm mehr Zeit gibt, der Schwerkraft zu folgen und Läufer zu bilden.
  • Nicht zu heiß: Bei direkter Sonneneinstrahlung trocknet die Oberfläche zu schnell („verbrennt“), was zu Pinselstrichen führt. Ideal sind 18–22 Grad.

7. Wahl des Lackes

  • Thixotrope Lacke: Achten Sie beim Kauf auf Begriffe wie „tropfgehemmt“ oder „thixotrop“. Diese Lacke sind im Ruhezustand eher geleeartig und werden erst beim Verarbeiten flüssiger. Sie haften deutlich besser an vertikalen Flächen.

Was tun, wenn es doch passiert ist?

Wenn Sie eine Nase bemerken, während der Lack noch nass ist:

  • Vorsichtig mit einem Pinsel oder einer kleinen Schaumstoffrolle „ausstreichen“.

Wenn der Lack bereits angetrocknet oder hart ist:

  • Nicht versuchen, ihn feucht wegzuwischen! Das verschlimmert die Sache.
  • Lassen Sie den Lack komplett durchhärten.
  • Schleifen Sie die Nase mit einem Schleifklotz und feinem Schleifpapier (z. B. 240er oder 320er) plan zum Rest der Fläche.
  • Lackieren Sie diese Stelle oder die gesamte Fläche erneut dünn über.