Wie korrigieren Linsen die menschliche Kurz- oder Weitsichtigkeit?

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Um zu verstehen, wie Linsen Sehfehler korrigieren, muss man zunächst wissen, wie das Auge im Idealfall funktioniert: Bei einem normalsichtigen Auge treffen die einfallenden Lichtstrahlen exakt auf der Netzhaut (Retina) zusammen. Dort entsteht ein scharfes Bild.

Bei Kurz- oder Weitsichtigkeit liegt dieser Brennpunkt jedoch vor oder hinter der Netzhaut. Linsen (in Brillen oder Kontaktlinsen) verändern den Brechungswinkel des Lichts so, dass der Brennpunkt wieder genau auf die Netzhaut wandert.

Hier ist die Erklärung für die beiden häufigsten Sehfehler:


1. Kurzsichtigkeit (Myopie)

  • Das Problem: Kurzsichtige sehen in der Nähe scharf, aber in der Ferne verschwommen. Das liegt meistens daran, dass der Augapfel zu lang ist (oder die Brechkraft der Augenlinse zu stark).
  • Der Effekt: Die Lichtstrahlen treffen sich bereits vor der Netzhaut. Auf der Netzhaut selbst kommt nur ein unscharfer „Lichtfleck“ an.
  • Die Korrektur: Man verwendet eine Zerstreuungslinse (Konkavlinse).
    • Wie sie funktioniert: Diese Linse ist in der Mitte dünner als am Rand. Sie biegt die einfallenden Lichtstrahlen leicht nach außen (auseinander), bevor sie ins Auge treffen.
    • Das Ergebnis: Durch das Auseinanderdriften der Strahlen verschiebt sich der Punkt, an dem sie sich im Auge wieder bündeln, weiter nach hinten – genau auf die Netzhaut.

2. Weitsichtigkeit (Hyperopie)

  • Das Problem: Weitsichtige sehen in der Ferne meist gut, haben aber Probleme, nahe Objekte scharf zu sehen. Hier ist der Augapfel oft zu kurz (oder die Brechkraft der Augenlinse zu schwach).
  • Der Effekt: Die Lichtstrahlen würden sich theoretisch erst hinter der Netzhaut treffen.
  • Die Korrektur: Man verwendet eine Sammellinse (Konvexlinse).
    • Wie sie funktioniert: Diese Linse ist in der Mitte dicker als am Rand (wie eine Lupe). Sie bündelt die Lichtstrahlen bereits ein wenig, bevor sie das Auge erreichen.
    • Das Ergebnis: Da die Strahlen schon „vor-fokussiert“ sind, schafft es die Augenlinse, sie früher zusammenzuführen. Der Brennpunkt wandert nach vorne – genau auf die Netzhaut.

Zusammenfassung im Überblick

Sehfehler Brennpunkt liegt... Linsentyp Wirkung der Linse
Kurzsichtigkeit vor der Netzhaut Konkav (Minus-Dioptrien) Zerstreut das Licht
Weitsichtigkeit hinter der Netzhaut Konvex (Plus-Dioptrien) Sammelt das Licht

Ein Wort zur Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Im Alter verliert die natürliche Augenlinse an Elastizität und kann sich nicht mehr so stark krümmen, um nahe Objekte scharf zu stellen. Das Prinzip der Korrektur ist hier das gleiche wie bei der Weitsichtigkeit: Man nutzt eine Sammellinse (Lesebrille), um die fehlende Brechkraft des Auges im Nahbereich auszugleichen.