Wie kommunizieren die Fahrer beider Fahrzeuge während des Abschleppvorgangs miteinander?
Die Kommunikation zwischen den Fahrern des Zugfahrzeugs und des abgeschleppten Fahrzeugs ist entscheidend für die Sicherheit, da beide Fahrer ihre Aktionen (Bremsen, Abbiegen, Anfahren) koordinieren müssen.
Hier sind die gängigsten und wichtigsten Methoden der Kommunikation:
1. Gesetzliche Vorgabe: Die Warnblinkanlage
In Deutschland (und vielen anderen Ländern) ist es Pflicht, dass an beiden Fahrzeugen während des gesamten Abschleppvorgangs die Warnblinkanlage eingeschaltet ist (§ 15a StVO).
- Problem: Da die Blinker durch das Warnblinklicht „besetzt“ sind, kann ein Richtungswechsel nicht durch normales Blinken angezeigt werden.
- Lösung: Abbiegeabsichten müssen rechtzeitig durch Handzeichen (aus dem Fenster deuten) signalisiert werden.
2. Absprache vor Fahrtbeginn (Das Wichtigste)
Bevor man losfährt, sollten die Fahrer folgende Punkte klären:
- Die Route: Wo geht es lang? Wo sind kritische Stellen (Ampeln, Kreuzungen)?
- Handzeichen: Einigung auf klare Zeichen (z. B. Daumen hoch für „bereit“, Hand flach aus dem Fenster für „stoppen“).
- Geschwindigkeit: Man einigt sich meist auf ein moderates Tempo (empfohlen sind maximal 30 bis 40 km/h).
- Bremsstrategie: Der Fahrer des hinteren Fahrzeugs muss wissen, dass er das Seil immer leicht auf Spannung halten muss, indem er früher und sanfter bremst als das Zugfahrzeug.
3. Akustische Signale (Lichthupe und Hupe)
- Hupe: Sie dient meist als Notsignal. Ein langes Hupen des hinteren Fahrers bedeutet in der Regel: „Sofort anhalten!“ (z. B. wenn das Seil gerissen ist, der Motor des Hintermanns doch wieder läuft oder eine Gefahr besteht).
- Lichthupe: Kann als Bestätigung („Ich bin bereit“) oder als Aufmerksamkeitssignal genutzt werden.
4. Funkgeräte oder Mobiltelefone (Freisprecheinrichtung)
In der modernen Praxis ist dies die effektivste Methode:
- Telefonat: Beide Fahrer starten ein Telefonat über die Freisprecheinrichtung ihres Autos oder Bluetooth-Headsets. So können sie permanent sprechen („Ich bremse jetzt“, „Achtung, Schlagloch“, „Die Ampel wird gelb“).
- Wichtig: Der Fahrer darf das Handy während der Fahrt nicht in der Hand halten.
- Funkgeräte (Walkie-Talkies): Diese sind ebenfalls sehr nützlich, sofern sie eine Sprachaktivierung (VOX) haben oder der Beifahrer sie bedient.
5. Visueller Kontakt über die Spiegel
Der Fahrer des Zugfahrzeugs muss den Hintermann ständig über den Rückspiegel beobachten.
- Erkennt er Unruhe im abgeschleppten Wagen oder hektische Bewegungen des Fahrers, sollte er sofort das Tempo drosseln oder anhalten.
- Der hintere Fahrer orientiert sich an den Bremslichtern des Zugfahrzeugs.
Zusammenfassung der Tipps für eine sichere Kommunikation:
- Immer auf Spannung: Der hintere Fahrer kommuniziert „physisch“ mit dem vorderen, indem er das Seil straff hält. Ein durchhängendes Seil ist das Zeichen für mangelnde Abstimmung.
- Handzeichen deutlich geben: Da die Blinker blockiert sind, muss der Arm weit aus dem Fenster gestreckt werden.
- Ruhe bewahren: Hektische Manöver ohne Ankündigung führen oft zu Unfällen.
Hinweis: Wenn das Fahrzeug aufgrund eines Defekts der Elektrik nicht blinken kann (Warnblinkanlage geht nicht), darf es nicht mit einem Seil oder einer Stange abgeschleppt werden, sondern muss auf einem Anhänger oder Abschleppwagen transportiert werden.