Wie ist das politische Wahlsystem der USA aufgebaut?

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Das politische Wahlsystem der USA ist komplex und unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom deutschen System. Es ist eine Mischung aus direkter und indirekter Demokratie, geprägt durch den Föderalismus (die Eigenständigkeit der Bundesstaaten).

Hier sind die wichtigsten Säulen des Systems:

1. Das Zweiparteiensystem

Obwohl es andere Parteien gibt, wird das System von zwei großen Parteien dominiert:

  • Demokraten: Eher liberal, sozialreformerisch, für staatliche Regulierung.
  • Republikaner (GOP): Konservativ, wirtschaftsliberal, für weniger Staatseinfluss.

Das liegt vor allem am Mehrheitswahlrecht ("Winner-takes-all"), bei dem kleine Parteien kaum Chancen auf Mandate haben.


2. Die Wahl des Präsidenten (Indirekte Wahl)

Der Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern über das Electoral College (Wahlleutekollegium).

Phase A: Die Vorwahlen (Primaries und Caucuses)

Bevor die eigentliche Wahl stattfindet, bestimmen die Parteien intern ihren Kandidaten.

  • Primaries: Geheime Abstimmung der Parteianhänger.
  • Caucuses: Offene Versammlungen und Debatten zur Abstimmung.
  • Am Ende werden die Ergebnisse auf den National Conventions (Nominierungsparteitagen) bestätigt.

Phase B: Die Hauptwahl (General Election)

Diese findet alle vier Jahre am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt.

Phase C: Das Electoral College

  • Jeder Bundesstaat hat eine bestimmte Anzahl an Wahlleuten. Die Zahl richtet sich nach der Bevölkerungsgröße (Sitze im Repräsentantenhaus + 2 Senatoren). Insgesamt gibt es 538 Wahlleute.
  • Winner-Takes-All-Prinzip: In fast allen Staaten (außer Maine und Nebraska) bekommt der Kandidat, der die meisten Stimmen im Volk erhält, alle Wahlleute dieses Staates.
  • Zum Sieg sind mindestens 270 Stimmen im Electoral College nötig.
  • Folge: Man kann Präsident werden, selbst wenn man landesweit weniger Stimmen als der Gegner hat (wie z. B. Donald Trump 2016 gegen Hillary Clinton). Die sogenannten Swing States (Staaten, die mal demokratisch, mal republikanisch wählen) entscheiden meist die Wahl.

3. Die Wahl des Kongresses (Legislative)

Der Kongress besteht aus zwei Kammern, die beide direkt vom Volk gewählt werden:

Das Repräsentantenhaus (House of Representatives)

  • Mitglieder: 435 (nach Bevölkerungszahl der Staaten aufgeteilt).
  • Amtszeit: Nur 2 Jahre (das gesamte Haus wird alle zwei Jahre neu gewählt).
  • Es repräsentiert das Volk "nach Köpfen".

Der Senat (Senate)

  • Mitglieder: 100 (jeder Bundesstaat stellt genau 2 Senatoren, egal ob klein wie Rhode Island oder groß wie Kalifornien).
  • Amtszeit: 6 Jahre. Alle zwei Jahre wird etwa ein Drittel der Senatoren neu gewählt.
  • Es repräsentiert die Interessen der Bundesstaaten.

4. Besonderheiten und Begriffe

  • Midterm Elections (Zwischenwahlen): Wahlen zum Kongress, die genau in der Mitte der Amtszeit eines Präsidenten liegen. Sie gelten oft als Zeugnis für den Präsidenten und können dazu führen, dass er seine Mehrheit im Parlament verliert.
  • Gerrymandering: Das absichtliche Zuschneiden von Wahlkreisgrenzen durch die regierende Partei in einem Bundesstaat, um sich bei der nächsten Wahl Vorteile zu verschaffen.
  • Voraussetzungen für Wähler: In den USA gibt es kein automatisches Melderegister wie in Deutschland. Man muss sich aktiv als Wähler registrieren lassen (Voter Registration).
  • Amtszeitbegrenzung: Der Präsident kann maximal zwei Amtszeiten (insgesamt 8 Jahre) regieren (22. Verfassungszusatz).

Zusammenfassung

Das US-Wahlsystem ist stark auf Stabilität und die Bedeutung der Bundesstaaten ausgelegt. Während das Repräsentantenhaus die Bevölkerung abbildet, sichert der Senat den kleinen Staaten Einfluss. Das Electoral College sorgt dafür, dass Kandidaten nicht nur Großstädte, sondern ganze Staaten gewinnen müssen – was jedoch oft dazu führt, dass viele Stimmen (die der Verlierer im jeweiligen Staat) am Ende wertlos verfallen.