Wie funktioniert die Gummierung an der Klebekante des Papiers?

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Die Gummierung an der Klebekante von Papier (wie bei Briefumschlägen, Briefmarken oder Zigarettenpapier) ist eine faszinierende Mischung aus Chemie und Physik.

Hier ist die einfache Erklärung, wie sie funktioniert:

1. Das Material (Woraus besteht es?)

Früher wurde hauptsächlich Gummi arabicum verwendet, ein natürliches Harz aus Akazienbäumen. Heute nutzt man meistens Dextrin (eine modifizierte Stärke, oft aus Kartoffeln oder Mais gewonnen) oder synthetische Polymere wie PVA (Polyvinylacetat).

Diese Stoffe haben eine besondere Eigenschaft: Sie sind wasserlöslich und im trockenen Zustand nicht klebrig.

2. Der Zustand: "Trockener Kleber"

Bei der Herstellung wird der Klebstoff flüssig auf das Papier aufgetragen und dann getrocknet. Dabei passiert Folgendes:

  • Die Lösungsmittel (meist Wasser) verdampfen.
  • Die Klebemoleküle rücken eng zusammen und bilden eine harte, glatte und spröde Schicht.
  • In diesem Zustand ist die Gummierung inaktiv. Man kann sie anfassen, ohne dass sie klebt.

3. Die Aktivierung (Das "Anlecken")

Damit der Kleber wieder klebt, muss er reaktiviert werden. Das geschieht durch Feuchtigkeit (Speichel oder ein nasser Schwamm):

  • Anlösen: Das Wasser dringt in die harte Schicht ein und lockert die Verbindung der Moleküle. Die Schicht quillt auf und wird zähflüssig (viskos).
  • Klebrigkeit: Die Moleküle werden wieder beweglich und entwickeln "Adhäsionskräfte" – das ist die Fähigkeit, an anderen Oberflächen zu haften.

4. Der Klebevorgang

Wenn man die angefeuchtete Kante nun auf eine andere Papierfläche drückt, passiert zweierlei:

  1. Verankerung: Der verflüssigte Kleber dringt ein kleines Stück weit in die Poren und zwischen die Fasern des trockenen Papiers ein.
  2. Trocknung: Das Papier saugt das Wasser wie ein Löschblatt auf. Sobald das Wasser weg ist (entweder im Papier aufgesogen oder verdunstet), wird der Kleber wieder hart.

Das Ergebnis: Der Kleber bildet nun eine feste Brücke zwischen den beiden Papierseiten. Er hat sich quasi mit den Fasern beider Seiten "verhakt".

Unterschied zu selbstklebenden Umschlägen

Im Gegensatz zur klassischen Gummierung funktionieren selbstklebende Umschläge (mit dem Abziehstreifen) anders:

  • Dort wird ein Haftklebestoff verwendet, der dauerhaft weich und klebrig bleibt.
  • Damit er nicht vorzeitig klebt, wird er durch einen silikonisierten Papierstreifen geschützt. Sobald dieser weg ist, klebt er allein durch Druck (daher auch "Drucksensitiver Klebstoff" genannt).

Fun Fact zum Geschmack

Dextrin (der moderne Kleber auf Stärkebasis) schmeckt leicht süßlich, weshalb das Ablecken von Briefumschlägen meist nicht unangenehm ist. Gummi arabicum hingegen ist fast geschmacksneutral. Gesundheitsschädlich sind diese Kleber in den üblichen Mengen heute nicht mehr.