Wie erkennt man, ob ein Wein fehlerhaft ist (z. B. Korkschmecker)?

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Einen fehlerhaften Wein zu erkennen, erfordert keine jahrelange Ausbildung zum Sommelier. Die meisten Weinfehler lassen sich über die Sinne – Sehen, Riechen und Schmecken – identifizieren.

Hier ist ein Leitfaden, wie du die häufigsten Weinfehler erkennst:

1. Der Korkgeschmack (TCA)

Dies ist der bekannteste Fehler, verursacht durch die chemische Verbindung Trichloranisol (TCA).

  • Geruch: Der Wein riecht nach nassem Karton, modrigem Keller, feuchtem Hund oder altem Zeitungspapier. Die fruchtigen Aromen sind fast völlig verschwunden.
  • Geschmack: Der Wein schmeckt flach, stumpf und bitter. Die typische Fruchtigkeit fehlt komplett.
  • Wichtig: Ein "Korkschmecker" kann auch bei Weinen mit Schraubverschluss auftreten (wenn die Kellerei verunreinigt war), ist dort aber extrem selten.

2. Oxidation (Der Wein hat zu viel Luft bekommen)

Wenn Wein zu lange oder falsch gelagert wurde oder der Korken undicht war, oxidiert er.

  • Aussehen: Weißweine verfärben sich dunkelgelb bis bernsteinfarben oder bräunlich. Rotweine verlieren ihr kräftiges Rot und werden ziegelrot oder braun.
  • Geruch: Erinnert an Sherry, Firn (alter Wein), verfaulte Äpfel oder Nüsse.
  • Geschmack: Der Wein schmeckt „müde“, hat keine Frische mehr und wirkt oft essigartig oder flach.

3. Essigstich (Flüchtige Säure)

Hier haben Essigsäurebakterien den Alkohol in Essigsäure umgewandelt.

  • Geruch: Stechender Geruch nach Essig oder – bei stärkerer Ausprägung – nach Nagellackentferner (Aceton) oder Alleskleber (Uhu).
  • Geschmack: Ein scharfer, brennender Geschmack im Abgang.

4. Böckser (Reduktionsfehler)

Dieser Fehler entsteht meist durch Schwefelverbindungen während der Gärung bei Sauerstoffmangel.

  • Geruch: Unangenehm nach faulen Eiern, gekochtem Kohl, verbranntem Gummi oder Knoblauch.
  • Tipp: Manchmal verschwindet ein leichter Böckser durch starkes Schwenken im Glas oder Dekantieren (Sauerstoffkontakt). Hilft das nicht, ist der Wein fehlerhaft.

5. Nachgärung (Unerwünschte Kohlensäure)

Wenn der Wein in der Flasche ungewollt weitergärt (meist weil Restzucker und Hefen vorhanden waren).

  • Aussehen: Der Wein ist oft trüb und es bilden sich kleine Bläschen (obwohl es kein Schaumwein ist). Der Korken kann leicht herausgedrückt sein.
  • Geschmack: Der Wein prickelt unangenehm auf der Zunge und schmeckt oft hefig oder sauer.

6. "Brett" (Brettanomyces)

Ein Hefepilz, der oft in Weinkellern vorkommt. In geringen Dosen bei manchen Rotweinen als Komplexität geschätzt, wird er oft als Fehler angesehen.

  • Geruch: Erinnert an Pferdestall, nasses Leder, Schweiß oder Heftpflaster.
  • Geschmack: Rustikal, metallisch, die Frucht wird überdeckt.

7. Hitzeschaden

Wenn der Wein zu heiß gelagert wurde (z. B. im Sommer im Auto).

  • Aussehen: Der Korken drückt sich eventuell aus der Flasche oder Wein ist am Flaschenhals unter der Kapsel ausgelaufen.
  • Geruch/Geschmack: Der Wein riecht nach eingekochten Früchten (Marmelade), wirkt aber gleichzeitig flach und leblos.

Was tun, wenn der Wein fehlerhaft ist?

  1. Im Restaurant: Den Kellner oder Sommelier höflich informieren: "Ich glaube, der Wein hat einen Korkfehler/ist oxidiert. Könnten Sie das bitte prüfen?" Ein seriöses Restaurant wird die Flasche anstandslos austauschen.
  2. Im Fachhandel: Die Flasche wieder verschließen (mit dem Wein darin!) und zusammen mit dem Kassenbon zurückbringen. Die meisten Händler ersetzen fehlerhafte Flaschen.
  3. Wichtig: Ein Weinfehler ist etwas anderes als "der Wein schmeckt mir nicht". Ein Fehler ist ein objektiver chemischer Defekt.

Profi-Tipp: Wenn du unsicher bist, schwenke das Glas kräftig. Ein "echter" Korkschmecker wird durch Sauerstoff meist noch intensiver und unangenehmer, während andere, harmlose Gerüche oft verfliegen.