Wie beeinflusst die Händedesinfektion die natürliche Hautflora bei dauerhafter Anwendung?

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Die dauerhafte Anwendung von Händedesinfektionsmitteln (insbesondere auf Alkoholbasis) hat komplexe Auswirkungen auf die Hautflora und die Hautbeschaffenheit. Dabei muss man zwischen der vorübergehenden (transienten) und der standorteigenen (residenten) Flora unterscheiden.

Hier ist eine detaillierte Analyse der Auswirkungen:

1. Wirkung auf die verschiedenen Flora-Typen

  • Transiente Flora (Anflugflora): Das Ziel der Desinfektion ist die Entfernung dieser Keime (Viren, Bakterien, Pilze), die man durch Kontakt mit Oberflächen oder Personen aufnimmt. Die Desinfektion ist hier extrem effizient und schützt vor Infektionen.
  • Residente Flora (Hautflora): Diese nützlichen Bakterien (z. B. Staphylococcus epidermidis) leben in den oberen Hautschichten und schützen uns vor Krankheitserregern.
    • Kurzfristig: Auch die residente Flora wird durch Alkohol stark reduziert (um bis zu 99 %).
    • Langfristig: Die residente Flora ist erstaunlich robust. Sie regeneriert sich aus tieferen Schichten (Haarfollikel, Schweißdrüsen) innerhalb weniger Stunden wieder. Studien zeigen, dass selbst bei häufiger Anwendung im Klinikalltag die grundlegende Zusammensetzung der residenten Flora stabil bleibt, sofern die Haut gesund ist.

2. Beeinflussung der Hautbarriere

Dies ist der kritischste Punkt bei dauerhafter Anwendung. Alkohol entzieht der Haut Fett und Feuchtigkeit:

  • Lipidverlust: Alkohol löst die hauteigenen Lipide (Fette) aus der Hornschicht. Diese Fette halten die Hautzellen zusammen und verhindern das Austrocknen.
  • Transepidermaler Wasserverlust (TEWL): Wenn die Fettschicht gestört ist, verdunstet mehr Wasser aus dem Körperinneren. Die Haut wird trocken, spröde und rissig.
  • pH-Wert: Der natürliche Säureschutzmantel (pH ca. 5,5) kann leicht schwanken, was die Barrierefunktion weiter schwächt.

3. Folgen bei "Überpflegung" oder falscher Anwendung

Wenn die Haut durch die Desinfektion chronisch geschädigt wird, verändert sich die Flora negativ:

  • Besiedlung durch pathogene Keime: In rissiger, trockener Haut können sich Krankheitserreger wie Staphylococcus aureus oder Gram-negative Bakterien besser einnisten. Die nützliche residente Flora verliert ihren Lebensraum.
  • Ekzembildung: Es kann zu einer "Abnutzungsdermatitis" kommen. Entzündete Haut hat eine völlig andere Mikroben-Zusammensetzung als gesunde Haut.

4. Desinfektion vs. Händewaschen

Interessanterweise ist die dauerhafte Anwendung von alkoholischer Desinfektion oft schonender für die Hautflora als häufiges Waschen mit Seife:

  • Seife (Tenside) schwemmt Lipide und natürliche Feuchtehaltemittel aggressiver aus und hebt den pH-Wert der Haut deutlich an, was die Barriere für Stunden stören kann.
  • Moderne Desinfektionsmittel enthalten oft Rückfetter (wie Glycerin), die den Lipidverlust teilweise kompensieren.

5. Resistenzentwicklung?

Bei alkoholischen Desinfektionsmitteln (Ethanol, Isopropanol) gibt es keine klassische Resistenzbildung wie bei Antibiotika, da der Alkohol die Proteine der Mikroben unspezifisch denaturiert (zerstört). Es gibt jedoch Hinweise, dass manche Bakterien (wie Enterococcus faecium) eine höhere Toleranz gegenüber niedrigen Alkoholkonzentrationen entwickeln könnten – dies ist jedoch bei korrekter Anwendung hochkonzentrierter Mittel im Alltag meist irrelevant.

Zusammenfassung: Wie man die Flora schützt

Damit die Hautflora trotz dauerhafter Desinfektion gesund bleibt, sind folgende Punkte wichtig:

  1. Rückfettende Mittel wählen: Nur zertifizierte Desinfektionsmittel mit Pflegekomponenten nutzen.
  2. Händewaschen minimieren: Nur waschen, wenn die Hände sichtbar schmutzig sind. Desinfektion ist im Zweifel hautschonender.
  3. Hautpflege: Regelmäßiges Eincremen (besonders nach der Arbeit oder vor dem Schlafen) ist essenziell, um die Barriere zu reparieren. Eine intakte Barriere ist die Voraussetzung für eine gesunde Flora.

Fazit: Die natürliche Hautflora wird durch Desinfektion zwar kurzzeitig massiv reduziert, ist aber regenerationsfähig. Das Hauptrisiko liegt nicht im "Abtöten der guten Bakterien", sondern in der physikalischen Schädigung der Hautbarriere, die indirekt zu einer Fehlbesiedlung führen kann.

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