Welche Zielgruppen werden durch die einfache Sprache und die starke Bildsprache primär angesprochen?

Melden

Die Kombination aus einfacher Sprache und starker Bildsprache zielt primär auf Barrierefreiheit und eine schnelle Informationsaufnahme ab. Man unterscheidet hierbei oft zwischen einer Kernzielgruppe (Menschen mit Einschränkungen) und einer erweiterten Zielgruppe (Menschen in spezifischen Alltagssituationen).

Hier sind die primären Zielgruppen im Detail:

1. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten

Dies ist die klassische Zielgruppe der „Leichten Sprache“. Komplexe Satzstrukturen und abstrakte Begriffe sind für diese Menschen oft Barrieren.

  • Warum Bilder? Bilder dienen hier als „Anker“. Sie illustrieren das Gesagte und helfen dabei, den Inhalt zu verstehen, selbst wenn das Wort allein nicht sofort erkannt wird.

2. Menschen mit geringen Deutschkenntnissen (Migranten/Geflüchtete/Lernende)

Für Personen, die eine Sprache gerade erst lernen oder im Alltag noch unsicher sind, ist einfache Sprache essenziell für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

  • Warum Bilder? Bilder fungieren als universelle Sprache. Ein Symbol (z. B. ein Piktogramm für „Ausgang“ oder „Arzt“) wird weltweit verstanden, auch wenn das deutsche Wort noch unbekannt ist.

3. Funktionale Analphabeten (Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz)

In Deutschland gibt es Millionen Erwachsene, die zwar einzelne Sätze lesen können, aber Probleme mit komplexen Texten haben.

  • Warum Bilder? Sie senken die Hemmschwelle. Ein rein textlastiges Dokument wirkt abschreckend, während Bilder den Einstieg erleichtern und die Kernaussage visuell vorwegnehmen.

4. Seniorinnen und Senioren (insb. Menschen mit Demenz)

Mit zunehmendem Alter oder durch Erkrankungen wie Demenz kann die Konzentrationsfähigkeit und das Sprachverständnis nachlassen.

  • Warum Bilder? Das visuelle Gedächtnis bleibt oft länger erhalten als das sprachliche Abstraktionsvermögen. Bilder wecken Emotionen und Erinnerungen, die den Text stützen.

5. Kinder und Leseanfänger

Kinder, die gerade erst lesen lernen, profitieren massiv von der Reduktion auf das Wesentliche.

  • Warum Bilder? Bilder halten die Aufmerksamkeit hoch und helfen, den Kontext der Geschichte oder der Information zu erfassen, bevor jedes einzelne Wort mühsam erlesen wurde.

6. Gehörlose Menschen

Da Gebärdensprache eine eigene Grammatik besitzt, die sich stark vom geschriebenen Deutsch unterscheidet, ist die Schriftsprache für manche Gehörlose wie eine Fremdsprache.

  • Warum Bilder? Sie unterstützen die visuelle Orientierung, die für gehörlose Menschen ohnehin der primäre Informationskanal ist.

Erweiterte Zielgruppen (im Sinne von Usability und Marketing)

Neben den oben genannten Gruppen gibt es Zielgruppen, die aus pragmatischen Gründen angesprochen werden:

  • Menschen unter Zeitdruck / Stress: In Notfallsituationen oder im hektischen Alltag (z. B. am Flughafen, im Bahnhof) braucht jeder einfache Sprache und klare Symbole, um Informationen sofort zu erfassen.
  • Mobile Nutzer: Auf kleinen Smartphone-Bildschirmen sind kurze Sätze und aussagekräftige Icons (Bildsprache) deutlich effektiver als lange Textwüsten.
  • Fachfremde Personen: Wenn Experten (z. B. Behörden oder Mediziner) mit Laien kommunizieren, hilft einfache Sprache, Missverständnisse zu vermeiden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Zielgruppen sind Menschen, die aus biologischen, biographischen oder situativen Gründen Schwierigkeiten haben, komplexe Informationen in kurzer Zeit zu verarbeiten. Die Bildsprache fungiert dabei als „Brücke“ zum Text.

0