Welche verschiedenen Arten von Schutzbrillen gibt es für unterschiedliche Gefährdungen?

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Die Auswahl der richtigen Schutzbrille hängt entscheidend von der Art der Gefährdung am Arbeitsplatz ab. Man unterscheidet Schutzbrillen primär nach ihrer Bauform und ihrer Schutzfunktion (Filterwirkung/Widerstandsfähigkeit).

Hier ist eine Übersicht der verschiedenen Arten von Schutzbrillen nach Gefährdungsbereichen:

1. Einteilung nach Bauform

  • Bügelbrillen: Ähneln einer normalen Korrekturbrille. Sie schützen vorwiegend vor mechanischen Einwirkungen von vorne. Viele Modelle haben einen Seitenschutz.
    • Einsatz: Drehen, Fräsen, einfache Montagearbeiten.
  • Korbbrillen (Vollmaskenbrillen): Diese Brillen schließen durch eine weiche Kunststofffassung (Muffe) dicht am Gesicht ab. Sie bieten Rundumschutz.
    • Einsatz: Arbeiten mit Stäuben, Flüssigkeitsspritzern oder Gasen.
  • Überbrillen (Besucherschutzbrillen): Groß geschnittene Bügelbrillen, die über der eigenen Sehhilfe getragen werden können.
  • Gesichtsschutzschirme/Visiere: Schützen das gesamte Gesicht, nicht nur die Augen.
    • Einsatz: Schleifarbeiten, Spritzgefahr bei Chemikalien oder Schutz vor Störlichtbögen.

2. Einteilung nach Gefährdungen

A. Mechanische Gefährdungen

Hier geht es um Schutz vor umherfliegenden Partikeln (Späne, Staub, Splitter).

  • Material: Meist Polycarbonat (extrem schlagfest).
  • Kennzeichnung: Achten Sie auf die mechanische Festigkeit (S, F, B oder A auf der Scheibe). „B“ steht z.B. für Schutz gegen Teilchen mit hoher Geschwindigkeit.

B. Chemische Gefährdungen

Schutz vor Verätzungen durch Spritzer von Säuren, Laugen oder vor Dämpfen und Gasen.

  • Empfehlung: Fast immer Korbbrillen, da diese dicht abschließen. Bügelbrillen sind hier oft unzureichend, da Flüssigkeit von oben oder der Seite hinter die Scheibe laufen kann.

C. Optische Gefährdungen (Strahlung)

Schutz vor Schädigungen der Netzhaut oder Hornhaut durch Lichtstrahlung.

  • Sonnenschutzbrillen: Für Arbeiten im Freien (UV-Schutz).
  • Schweißerschutzbrillen: Filtern gefährliche Infrarot- (IR) und Ultraviolettstrahlung (UV) sowie extremes Blendlicht. Es gibt verschiedene Schutzstufen (DIN-Stufen).
  • Laserschutzbrillen: Diese sind hochspezifisch. Sie müssen exakt auf die Wellenlänge und Leistung des verwendeten Lasers abgestimmt sein. Eine falsche Laserschutzbrille bietet unter Umständen gar keinen Schutz.

D. Thermische Gefährdungen

Schutz vor Hitze, Infrarotstrahlung oder Spritzern von geschmolzenem Metall.

  • Einsatz: Gießereien oder bei Glasbläserarbeiten.
  • Besonderheit: Oft werden hier Visiere mit Goldbeschichtung eingesetzt, um die Wärmestrahlung zu reflektieren.

E. Elektrische Gefährdungen

Schutz vor den thermischen und optischen Folgen eines elektrischen Störlichtbogens.

  • Einsatz: Elektriker bei Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen.
  • Empfehlung: Hier ist meist ein kompletter Gesichtsschutzschirm vorgeschrieben.

3. Wichtige Kennzeichnungen nach EN 166

Jede geprüfte Schutzbrille in der EU muss nach der Norm EN 166 gekennzeichnet sein. Auf dem Gestell und der Scheibe finden sich Codes, die über die Schutzwirkung aufklären:

  • Optische Klasse: 1 (Dauereinsatz), 2 oder 3 (nur kurzzeitig).
  • Mechanische Festigkeit:
    • Kein Symbol: Mindestfestigkeit.
    • S: Erhöhte Festigkeit.
    • F: Stoß mit niedriger Energie (45 m/s) – Standard bei Bügelbrillen.
    • B: Stoß mit mittlerer Energie (120 m/s) – Standard bei Korbbrillen.
    • A: Stoß mit hoher Energie (190 m/s) – Nur bei Visieren.
  • Anwendungsbereiche (Zahlen):
    • 3: Flüssigkeiten (Tropfen und Spritzer).
    • 4: Grober Staub.
    • 5: Gas und Feinstaub.
    • 8: Störlichtbogen.
    • 9: Schmelzmetall und heiße Festkörper.

Fazit: Welche Brille für wen?

  • Heimwerker (Sägen, Bohren): Einfache Bügelbrille (EN 166 F).
  • Gartenarbeit (Freischneider): Visier oder eng anliegende Bügelbrille.
  • Labor/Chemie: Dichtschließende Korbbrille.
  • Schweißen: Spezielle Klappbrillen oder Schweißhelfe mit entsprechender Schutzstufe.

Wichtig: Schutzbrillen müssen regelmäßig auf Kratzer geprüft werden. Zerkratzte Gläser verschlechtern die Sicht und erhöhen die Ermüdung der Augen. Zudem sollten sie bei Korrekturbedarf als optische Schutzbrille (mit Sehstärke) angefertigt werden, da das Tragen einer Schutzbrille über einer normalen Brille oft unbequem ist und zu Doppelbildern führen kann.