Welche Rolle spielt Ammoniak beim chemischen Haarfärbeprozess?
Ammoniak spielt eine zentrale Rolle beim permanenten chemischen Haarfärbeprozess. Man kann es sich vereinfacht als den „Türöffner“ für die Haarstruktur vorstellen.
Hier sind die drei Hauptfunktionen von Ammoniak im Detail:
1. Öffnung der Schuppenschicht (Quellung)
Das menschliche Haar ist außen von einer schützenden Schuppenschicht (Cuticula) umgeben, die wie Dachziegel übereinanderliegt. Ammoniak ist eine alkalische (basische) Substanz. Wenn es auf das Haar trifft, hebt es den pH-Wert an. Dadurch quillt das Haar auf und die Schuppenschicht öffnet sich. Erst durch diese Öffnung können die Farbstoffe und das Oxidationsmittel in das Innere des Haares (den Cortex) gelangen.
2. Aktivierung des Oxidationsmittels (Wasserstoffperoxid)
Ammoniak wirkt als Katalysator für das Wasserstoffperoxid. In der Farbmischung sorgt das Ammoniak dafür, dass das Wasserstoffperoxid zerfällt und aktiven Sauerstoff freisetzt. Dieser Sauerstoff erfüllt zwei Aufgaben:
- Aufhellung: Er baut die natürlichen Pigmente (Melanine) im Haar ab, um Platz für die neue Farbe zu schaffen.
- Farbbildung: Er oxidiert die winzigen, farblosen Farbstoffvorstufen (Kuppler und Entwickler), die in das Haar eingedrungen sind. Erst durch diese chemische Reaktion verbinden sie sich zu großen Farbmolekülen.
3. Fixierung der Farbe im Haar
Da die Farbstoffmoleküle im Inneren des Haares durch die Reaktion mit Sauerstoff „zusammenwachsen“, werden sie so groß, dass sie nicht mehr durch die (später wieder geschlossene) Schuppenschicht nach draußen schlüpfen können. Das macht die Färbung permanent (waschecht).
Warum riecht Ammoniak so stechend?
Ammoniak ist ein Gas, das sehr leicht flüchtig ist. Der typische stechende Geruch beim Haarfärben entsteht, weil das Gas aus der Farbmischung entweicht. Das ist zwar unangenehm für die Nase, hat aber den Vorteil, dass das Ammoniak nach getaner Arbeit schnell wieder aus dem Haar verschwindet und den pH-Wert nicht dauerhaft hochhält.
Vor- und Nachteile auf einen Blick
Vorteile:
- Ermöglicht eine effektive und dauerhafte Farbveränderung (auch Aufhellung).
- Gute Grauabdeckung.
- Verflüchtigt sich schnell nach der Anwendung.
Nachteile:
- Starker Geruch: Reizt die Atemwege und Augen.
- Haarschädigung: Durch das starke Aufquellen kann das Haar bei zu häufiger Anwendung trocken und spröde werden.
- Hautirritationen: Kann auf der Kopfhaut brennen oder Rötungen verursachen.
Alternativen: „Ammoniakfreie“ Farben
Viele moderne Haarfarben werben damit, „ammoniakfrei“ zu sein. In diesen Produkten wird meist Ethanolamin (MEA) verwendet.
- Der Unterschied: Ethanolamin ist geruchlos, da es nicht gasförmig ist. Es verbleibt jedoch oft länger im Haar und muss sehr gründlich ausgewaschen werden, da es den pH-Wert des Haares sonst schleichend weiter beeinflussen kann. Oft ist die Aufhellungskraft bei ammoniakfreien Farben geringer.