Welche Rolle spielen die enthaltenen Festschmierstoffe in der Montagepaste bei extrem hohen Temperaturen oder Drücken?
In Montagepasten spielen Festschmierstoffe eine entscheidende Rolle, da sie dort einspringen, wo herkömmliche flüssige Schmierstoffe (Öle) oder Fette versagen.
Hier ist die detaillierte Erklärung ihrer Funktion bei extremen Bedingungen:
1. Bei extrem hohen Temperaturen (Trockenschmierung)
In herkömmlichen Schmierstoffen verdampft oder oxidiert das Basisöl meist ab Temperaturen von etwa 200 °C bis 250 °C. Ohne Festschmierstoffe würden die Metallflächen dann direkt aufeinander reiben.
- Der Trenneffekt: Festschmierstoffe wie Graphit, Kupfer, Aluminium oder Keramikpartikel sind thermisch extrem stabil (oft bis über 1.200 °C). Wenn das Öl verdampft ist, bilden diese Partikel einen festen Trockenschmierfilm auf der Oberfläche.
- Verhinderung von Festfressen: Sie verhindern, dass die Metalloberflächen miteinander verschmelzen oder verzundern. Dies ist besonders wichtig für Schraubverbindungen an Auspuffanlagen, Turbinen oder Öfen, die nach langer Zeit wieder gelöst werden müssen.
2. Bei extrem hohen Drücken (Grenzschmierung)
Wenn zwei Bauteile mit enormer Kraft aufeinandergepresst werden (z. B. beim Einpressen von Bolzen oder bei schweren Schraubverbindungen), wird der flüssige Ölfilm einfach verdrängt. Man spricht davon, dass der Schmierfilm "abreißt".
- Physikalische Barriere: Die Festschmierstoff-Partikel (z. B. Molybdändisulfid - $MoS_2$) setzen sich in den mikroskopisch kleinen Unebenheiten der Metalloberfläche fest und ebnen diese ein.
- Gleitwirkung: Viele Festschmierstoffe haben eine Schichtgitterstruktur (wie ein Stapel Spielkarten). Die einzelnen Schichten gleiten sehr leicht aufeinander. Selbst unter extremem Druck verhindern sie den direkten Metall-zu-Metall-Kontakt.
- Vermeidung von Ruckgleiten (Stick-Slip): Durch die konstante Trennung der Oberflächen verhindern sie das typische Ruckeln bei langsamen Bewegungen unter hoher Last.
3. Schutz vor Kaltverschweißen (Fressen)
Bei der Montage von Edelstahlverbindungen oder beim Fügen von Passungen tritt oft das sogenannte „Fressen“ auf. Durch hohen Druck und Reibung entstehen lokal so hohe Temperaturen, dass die Oberflächen punktuell miteinander verschweißen.
- Die Rolle der Partikel: Die Festschmierstoffe fungieren als permanente Distanzhalter. Da sie chemisch meist neutral und physikalisch extrem widerstandsfähig sind, verhindern sie diese mikroskopischen Verschweißungen (Kaltverschweißen).
Zusammenfassung der wichtigsten Festschmierstoffe:
- Molybdändisulfid ($MoS_2$): Exzellent für höchste Drücke, aber nur bis ca. 400 °C stabil (danach Oxidation).
- Graphit: Sehr hitzebeständig, benötigt aber eine gewisse Restfeuchtigkeit für die volle Gleitwirkung.
- Kupfer/Aluminium (Metallpasten): Klassische Trennmittel für extrem hohe Temperaturen (Heißschrauben-Pasten), wirken wie eine metallische Trennschicht.
- Keramik: Die moderne Alternative zu Metallpasten; elektrisch nicht leitend und extrem temperaturstabil, ideal wenn Korrosion durch unterschiedliche Metalle (Bimetallkorrosion) vermieden werden soll.
Fazit: Die Festschmierstoffe sind die Lebensversicherung der Verbindung. Während das Öl in der Paste meist nur als Trägermedium dient, um die Wirkstoffe an Ort und Stelle zu bringen, übernehmen die Festschmierstoffe die eigentliche Arbeit, sobald die physikalischen Grenzen der Flüssigschmierung überschritten werden.