Welche Risiken und Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von Grippaler-Infekt-Komplexmitteln zu beachten?
Komplexmittel gegen grippale Infekte (wie z. B. Wick Medinait, Grippostad C, Aspirin Complex oder BoxaGrippal) sind beliebt, da sie mehrere Symptome gleichzeitig bekämpfen. Doch genau diese Kombination verschiedener Wirkstoffe birgt spezifische Risiken und Nebenwirkungen.
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Punkte, die Sie beachten sollten:
1. Das „Gießkannenprinzip“
Der größte Kritikpunkt von Medizinern ist, dass man oft Wirkstoffe zu sich nimmt, die man gar nicht benötigt. Wenn Sie beispielsweise nur Schnupfen und Kopfschmerzen haben, aber ein Mittel mit Hustenstiller einnehmen, belasten Sie Ihren Körper unnötig mit Chemie.
2. Risiken der einzelnen Wirkstoffgruppen
In Komplexmitteln sind meist Wirkstoffe aus folgenden Gruppen kombiniert:
- Schmerzmittel/Fiebersenker (Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure):
- Risiko: Paracetamol kann bei Überdosierung die Leber schwer schädigen. Da viele Erkältungsmittel Paracetamol enthalten, besteht die Gefahr einer versehentlichen Kumulation (wenn man z. B. zusätzlich noch eine Kopfschmerztablette nimmt).
- Magen/Niere: Ibuprofen und Aspirin können die Magenschleimhaut angreifen und die Nierenfunktion beeinträchtigen.
- Schleimhautabschwellende Mittel (Pseudoephedrin, Phenylephrin):
- Risiko: Diese wirken systemisch (im ganzen Körper) und verengen die Blutgefäße. Das führt häufig zu Blutdruckanstieg, Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen.
- Zentralnervensystem: Sie können Schlaflosigkeit, Unruhe und Nervosität verursachen.
- Antihistaminika (z. B. Doxylamin, Chlorphenamin):
- Risiko: Sie werden eingesetzt, um den Nasenfluss zu stoppen, machen aber extrem müde.
- Gefahr: Die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen ist massiv eingeschränkt (besonders bei Mitteln für die Nacht).
- Hustenstiller (z. B. Dextromethorphan):
- Risiko: Wenn gleichzeitig ein Schleimlöser eingenommen wird, kann es zu einem gefährlichen Sekretstau in der Lunge kommen, da der gelöste Schleim nicht abgehustet werden kann.
3. Maskierung von Symptomen
Komplexmittel sind sehr effektiv darin, Symptome zu unterdrücken. Das birgt die Gefahr, dass man sich „gesund fühlt“, obwohl der Körper Ruhe bräuchte. Wer sich unter Medikamenteneinfluss körperlich belastet (Sport, Arbeit), riskiert eine Verschleppung der Infektion, was im schlimmsten Fall zu einer Herzmuskelentzündung führen kann.
4. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Da Komplexmittel viele Wirkstoffe enthalten, ist das Risiko für Wechselwirkungen hoch:
- Blutdrucksenker: Deren Wirkung kann durch die abschwellenden Wirkstoffe aufgehoben werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Wirkstoffe (z. B. MAO-Hemmer) dürfen niemals mit Pseudoephedrin oder Dextromethorphan kombiniert werden (Gefahr von schweren Krisen).
- Alkohol: Viele Komplexmittel (besonders Säfte) enthalten Alkohol oder vertragen sich absolut nicht mit ihm (verstärkte Leberbelastung oder extreme Schläfrigkeit).
5. Wer sollte besonders vorsichtig sein?
Bestimmte Personengruppen sollten Komplexmittel nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker einnehmen oder ganz darauf verzichten:
- Personen mit Bluthochdruck oder Herzerkrankungen.
- Menschen mit Diabetes (kann den Blutzuckerspiegel beeinflussen).
- Personen mit Schilddrüsenüberfunktion.
- Patienten mit grünem Star (Glaukom).
- Schwangere und Stillende.
- Kinder (hier gibt es spezielle Dosierungen oder Verbote für bestimmte Wirkstoffe).
Empfehlung
Anstatt eines Komplexmittels empfehlen viele Experten die gezielte Behandlung der Einzelsymptome:
- Nasenspray (lokal angewendet belastet es den Kreislauf kaum).
- Ein einzelnes Schmerzmittel (nur bei Bedarf).
- Viel Tee trinken und Ruhe.
Wichtig: Lesen Sie immer die Packungsbeilage und achten Sie darauf, nicht mehrere Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff (z. B. Paracetamol) gleichzeitig einzunehmen. Im Zweifel fragen Sie in Ihrer Apotheke nach.