Welche Risiken bestehen hinsichtlich der Rissbildung bei Konstruktionsvollholz?

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Bei Konstruktionsvollholz (KVH) ist das Risiko der Rissbildung im Vergleich zu herkömmlichem floschenfrischem Bauholz deutlich reduziert, aber nicht gänzlich ausgeschlossen. Da KVH technisch auf eine Holzfeuchte von ca. 15 % (± 3 %) getrocknet wird, hat es den Großteil des Schwindprozesses bereits hinter sich.

Dennoch gibt es spezifische Risiken und Ursachen für Rissbildungen, die man kennen sollte:

1. Ursachen für die Rissbildung bei KVH

  • Anisotropie des Holzes: Holz schrumpft in radialer Richtung (ca. 4 %) anders als in tangentialer Richtung (ca. 8 %). Da KVH meist aus dem Kern oder kernnah geschnitten wird, entstehen bei weiterer Austrocknung Spannungen im Gefüge, die sich in Rissen entladen.
  • Klimaveränderungen (Ausgleichsfeuchte): Wenn KVH (geliefert mit 15 % Feuchte) in sehr trockenen Innenräumen verbaut wird (wo die Ausgleichsfeuchte oft bei 7–9 % liegt), trocknet das Holz weiter nach. Dieser zusätzliche Entzug von Feuchtigkeit führt zu Schwindspannungen und damit zu Rissen.
  • Feuchteaufnahme auf der Baustelle: Wird das trockene KVH auf der Baustelle ungeschützt Regen oder hoher Feuchtigkeit ausgesetzt und danach schnell (z. B. durch Heizestrich oder direkte Sonneneinstrahlung) wieder getrocknet, entstehen Oberflächenrisse.

2. Arten von Rissen und deren Risikobewertung

Man unterscheidet bei KVH im Wesentlichen drei Arten von Rissen:

a) Trocknungs- oder Schwundrisse (Mantelrisse)

Diese verlaufen meist längs zur Faser.

  • Risiko: Bei KVH sind diese Risse in der Regel statisch unbedenklich. Sie beeinträchtigen meist nur die Optik.
  • Normung: Die Zulässigkeit von Rissen ist in der DIN EN 1995 (Eurocode 5) und der KVH-Sortierung geregelt. Bei KVH für den sichtbaren Bereich (Si) gelten strengere Anforderungen als für den nicht sichtbaren Bereich (NSi).

b) Herz- oder Kernrisse

Da KVH oft „herzgetrennt“ oder „herzfrei“ eingeschnitten wird, um das Reißen zu minimieren, treten diese Risse seltener auf als bei Rundholz. Wenn sie auftreten, gehen sie tief bis zum Markkanal.

  • Risiko: Bei sehr tiefen Rissen kann in Außenbereichen Wasser eindringen, was das Risiko für holzzerstörende Pilze (Fäulnis) erhöht.

c) Blitzrisse / Frostrisse

Diese sind holzphysikalisch bedingt und treten meist schon im Wald auf. Sie werden bei der Produktion von KVH durch die Kappschnitte vor der Keilzinkung meist aussortiert.

3. Die spezifischen Risiken im Überblick

  1. Optische Beeinträchtigung: In der Qualitätsklasse KVH Si (Sichtqualität) sind Risse oft ein Grund für Reklamationen, auch wenn sie statisch harmlos sind. Breite Risse wirken im modernen Holzbau oft störend.
  2. Statische Schwächung (selten): Nur bei extrem tiefen Rissen, die die Querschnittsfläche massiv reduzieren oder im Bereich von Verbindungs- und Befestigungsmitteln liegen (z. B. wenn eine Schraube genau in einem Riss sitzt und nicht mehr greift), besteht ein statisches Risiko.
  3. Hygienische und biologische Risiken: In tiefen Rissen kann sich Staub sammeln oder (im Außenbereich) Feuchtigkeit stauen. Dies kann zu Verfärbungen (Bläue) oder bei dauerhafter Feuchte zu statisch relevantem Pilzbefall führen.
  4. Schall- und Brandschutz: Bei Bauteilen, die Brandschutzanforderungen erfüllen müssen, können tiefe Risse die Abbrandrate lokal erhöhen. Auch der Schallschutz kann durch durchgehende Risse in Trennwänden leiden.

4. Wie man das Risiko minimiert

  • Richtige Sortierklasse wählen: Für sichtbare Bereiche immer KVH Si bestellen.
  • Lagerung: Das Holz auf der Baustelle vor direkter Bewitterung und direkter Sonneneinstrahlung schützen.
  • Heizverhalten: In Neubauten die Heizung langsam hochfahren, um ein zu schlagartiges Austrocknen des Holzes zu verhindern.
  • Konstruktiver Holzschutz: Im Außenbereich dafür sorgen, dass Wasser aus Rissen ablaufen kann (keine Wassersäcke).

Fazit: Risse bei KVH sind materialtypisch und meist ein rein optisches Problem. Da KVH bereits technisch vorgetrocknet ist, sind die Risse deutlich schmaler und seltener als bei klassischem Bauholz. Statische Gefahren bestehen nur in extremen Ausnahmefällen.

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