Welche Inhaltsstoffe sorgen bei Haarlack für die starke Fixierung?
Für die starke Fixierung bei Haarlack (und auch Haarspray) sind primär Polymere verantwortlich. Man kann sie sich als „flüssigen Kunststoff“ vorstellen, der nach dem Trocknen einen festen Film bildet.
Hier sind die wichtigsten Inhaltsstoffe und ihre Funktion im Detail:
1. Filmbildende Polymere (Die Hauptakteure)
Polymere sind lange Molekülketten, die sich beim Aufsprühen um die Haarfasern legen. Wenn das Lösungsmittel verdunstet, verhärten diese Polymere und bilden „Brücken“ zwischen den einzelnen Haaren.
- PVP (Polyvinylpyrrolidon): Einer der ältesten und am häufigsten verwendeten Stoffe. Er gibt sehr guten Halt, ist aber wasserlöslich (was gut zum Auswaschen ist, aber schlecht bei hoher Luftfeuchtigkeit, da das Haar dann klebrig werden kann).
- VA (Vinylacetat)-Copolymere: Diese werden oft mit PVP gemischt (PVP/VA Copolymer). Sie machen den Film wasserabweisender und sorgen dafür, dass die Frisur auch bei Feuchtigkeit hält.
- Acrylate (z. B. Octylacrylamide/Acrylates/Butylaminoethyl Methacrylate Copolymer): Diese sorgen für den „Ultra Strong“-Halt. Sie bilden einen sehr harten, stabilen Film, der oft in Lacken für extreme Stylings verwendet wird.
- Schellack: Ein natürliches Harz (von Schildläusen gewonnen). Es wird oft in Naturkosmetik-Haarlacken verwendet, da es einen sehr festen, glänzenden Film bildet.
2. Lösungsmittel
Damit die Polymere überhaupt fein versprüht werden können, müssen sie gelöst sein.
- Ethanol (Alcohol denat.): Der am häufigsten verwendete Stoff. Er verdunstet extrem schnell nach dem Aufsprühen, sodass der Polymerfilm sofort fest wird.
- Wasser: Wird oft in Kombination mit Alkohol verwendet, um die Rezeptur zu strecken oder die Entflammbarkeit zu senken.
3. Weichmacher (Plasticizer)
Ein reiner Polymerfilm wäre so spröde, dass er bei der kleinsten Bewegung wie Glas brechen würde (das führt zu den weißen Schüppchen im Haar).
- Silikone (z. B. Cyclopentasiloxane oder Dimethicone): Sie machen den Film flexibler und verleihen Glanz.
- Lanolin-Derivate oder Glycerin: Diese Stoffe halten den Kunststofffilm geschmeidig, damit das Haar nicht „betonartig“ wirkt, sondern sich noch minimal biegen kann, ohne dass die Fixierung reißt.
4. Neutralisierungsmittel
Damit man den starken Haarlack später wieder mit normalem Shampoo auswaschen kann, werden die sauren Polymergruppen oft mit alkalischen Stoffen neutralisiert.
- AMP (Aminomethyl Propanol): Dieser Stoff sorgt dafür, dass der (eigentlich wasserfeste) Kunststofffilm beim Waschen wieder wasserlöslich wird.
5. Treibmittel (bei Aerosol-Sprays)
- Propan, Butan und Isobutan: Diese Gase sorgen für den nötigen Druck und einen extrem feinen Sprühnebel. Je feiner der Nebel, desto gleichmäßiger verteilen sich die Polymere und desto stärker ist die punktuelle Fixierung.
Der Unterschied zwischen Haarspray und Haarlack:
Der chemische Aufbau ist fast identisch, aber Haarlack hat eine höhere Konzentration an Polymeren und oft einen höheren Anteil an härteren Acrylaten. Während Haarspray dazu gedacht ist, das Haar elastisch in Form zu halten, dient Haarlack dem „Versiegeln“ (Finishing) der fertigen Frisur, sodass sich kein Haar mehr bewegt.